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Frankreichreise März 2017

Es waren alle Ergebnisse von der Zwischenprüfung eingetroffen, fast die Hälfte des Studiums ist also geschafft. Und, was noch dazu kam: ich hatte Semesterferien. Wirklich Ferien. Seit dem ersten Semester war es das erste Mal, dass ich keine Seminararbeiten, Essays oder Sprachprüfungen schreiben bzw. schaffen musste. Einerseits freute ich mich total darauf, ein paar Wochen nichts zu machen. Ich wollte eine ruhige Zeit mit der Familie verbringen, mit Alwin, kochen... und dennoch wusste ich schon nach ein paar Tagen: das wird doch sowieso nichts. Es kam also die Frage auf - was mache ich die nächsten 5/6 Wochen?

Erst wollte ich spontan arbeiten gehen; hat nicht geklappt. Dann wollte ich mit einer Freundin in den Urlaub fahren; das war wohl auch nichts. Dann kam eine Mail von Bekannten aus Frankreich, die über ein Austauschprogramm als Deutsch-Studenten vor vielen Jahren in die damalige DDR kamen und so eine langjährige Freundschaft mit unserer Familie entstand. Sie können also Deutsch sprechen. Doch seit mehreren Jahren nutze ich die Chance, um durch sie mein Französisch zu verbessern. Schon vor 4 Jahren bin ich einmal für 2,5 Wochen dort gewesen und hatte viel erlebt. Auch jetzt fragten sie, ob ich nicht noch einmal Lust hätte, sie zu besuchen. Gesagt, getan und Bahn-Tickets gebucht. An einem Montag nahm ich nachts halb drei den IC nach Frankfurt. Es ging weiter nach Strasbourg, wo mich schon der langandauernde Regen erwartete. Es war allerdings schon ein Genuss, so ein leckeres Croissant und einen Cappuccino zum Frühstück zu haben. Nach 9 Stunden Fahrt kam ich dann in Thaon les Vosges an, ein kleines Dorf in den Vogesen (ein Gebirge ähnlich dem Harz). Wegen des Regens starteten wir die ersten Tage ruhig - lange Spaziergänge mit Regenschirm ließen mich runterkommen. Ich finde die großen, klaren Seen in den Vogesen mit ihren unterschiedlichsten Wanderrouten so schön. Spannend waren für mich die zwei Tage in den Deutschkursen von unseren Freunden. In den Gruppen waren 40-65 jährige, die wegen ihrer Kinder und Enkel, welche in Deutschland leben, Deutsch lernen wollen. Ich versuchte sehr deutlich und langsam zu sprechen und tatsächlich verstanden sie wirklich viel. Vor allem zum Theologiestudium und meiner späteren Arbeit kam enorm viel Gesprächsbedarf auf. Dass eine junge Frau Pfarrerin werden will und sich in eine Kirche einsperrt - das kann doch nicht wahr sein. Die Laizität in Frankreich wurde mir deutlich vor Augen geführt. Die zwei Stunden dort waren auf alle Fälle sehr interessant und eine große Bereicherung für mich. Gegen Ende der Woche wurde dann auch endlich das Wetter besser und wir fuhren in die Hautes Vosges, also noch weiter ins Gebirge. Erst eine Wanderroute um den See, dann fuhren wir ein Stück weiter und aßen  ein wirklich vorzügliches Mittag mit weiteren Freunden in einem Restaurant in Gérardmer. Dieses Restaurant vertreibt auch im Internet regionale Produkte aus den Vogesen, besondere Gewürzmischungen, selbsthergestellte Vinaigrettes, Öle, Tees, Schokoladen... (ideal als Geburtstagsgeschenke! :-) ). Meine erste Bestellung dort wird sicher nicht lange auf sich warten lassen. Der Laden nennt sich "Mart&Werner". Die Freunde von dort zeigten uns eine kleine Farm im Ort, "le ferme du saichy". Der Bauer dort züchtet vogesische Kühe, welche im zweiten Weltkrieg von den Deutschen ausgemerzt worden waren, da sie nicht viel Milch gaben. Sie wurden also nacheinander geschlachtet und nur das Fleisch genutzt, bis kaum noch eine einzige ihrer Art übrig blieb. Nun hat man sich die Aufgabe zugeschrieben, diese besondere Rasse, welche immunstark ist und einen einzigartigen Instinkt besitzt, wieder herauszuzüchten. Im Moment gibt es tatsächlich nur wenige tausend von diesen Kühen. In dem kleinen Hofladen kaufte ich Käse, einen Munster, für meine Familie. Die kleinen Kälbchen wurden mir auch gezeigt, sie ließen sich kraulen wie Hunde. Wirklich etwas besonderes. Um das gute Essen zu verdauen, drehten wir noch eine Runde im Skigebiet dort.

 

Am Wochenende, bevor ich mich wieder nach Deutschland aufmachte, fuhren wir nach Metz, nahe der deutschen Grenze. Es war so super Wetter an diesem Tag. Erst waren wir im Musée du Pompidu (die kleine Schwester von dem aus Paris). Dann machten wir uns auf den Weg in ein libanesisches Restaurant, wo wir einen Cousin trafen, der an diesem Tag unser Guide sein sollte. Das Essen war mal wieder super - Hummus, Auberginencreme, Guacamole, Falafel... alles, was das Herz begehrt. Es war nur total laut in diesem Restaurant und "Daniel" redete so schnell und ohne Pause, dafür aber mit viel Ironie und Sarkasmus, sodass ich durchweg nur "Comment?" von mir gab. An der frischen Luft funktionierte das dann teilweise besser. Mich begeisterte diese Stadt von Anfang an, die wunderschönen Bauten im Jugendstil strahlten im Sonnenschein noch mehr. Vor allem fiel mir vor und in der Kathedrale die Kinnlade herunter - so gewaltig und schön. Ich habe sie nicht einmal mit einem Panoramafoto einfangen können. Zudem sah ich die älteste Kirche Frankreichs, um 380 erbaut. Erstaunlich, wie gut diese erhalten ist. Nach Theater, Hôtel de Ville, Stadtpark, Hafen... liefen wir noch an der Mosel entlang Richtung protestantische Kirche; die Schwäne kamen auf uns zu geschwommen wie in einem romantischen Klassiker. Es wurde spät und tatsächlich bestellten wir einfach mal Pizza und kamen nach Mitternacht wieder "zu Hause" an. Am letzten Tag traf ich noch eine Freundin wieder, mit der ich vor vier Jahren viel unternommen hatte und die nun in Lyon studiert. Vielleicht mein nächstes Ziel?