Liebe (voll) eingebildet

Ja, wir Frauen können stark sein. Wir können vorlaut sein, frech, böse. Wir können wirklich Blödsinn erzählen, lästern, nerven und klugscheißen. Wir können zickig sein und widersprüchlich. Wir können smart sein, charmant, galant.

 

Aber wir sind auch hormongesteuert, sensibel und feinfühlig. Wir können analysieren und interpretieren und Worte auf die Goldwaage legen. Wir können vertrauen, uns einlassen, begeistert sein und Gefühl zeigen.

Das möchte ich dir gern sagen.

Denn manchmal, da verstehe ich dich nicht.

Manchmal, ja manchmal, wünschte ich, du handeltest anders.

 

Bitte sei doch aufmerksamer und achte auf meine undurchsichtigen Zeichen, damit ich nicht am Ende des Tages wütend auf mein Kopfkissen haue.

Bring mir doch nicht "einfach so" meinen Lieblingskaffee mit und nenne deine Freundin nicht "eine Freundin". Du bist witzig und grinst, du lästerst mit mir und führst nicht einfach nur Small-Talk. Du bringst mich nach Hause. Und du riechst gut. Bei dieser Umarmung. Du lässt mich endorphin-geladen zurück und willst dich melden, aber ich bin dann doch diejenige, die auf absenden drückt und letztendlich dann doch nie mit zum besten Chinesen der Stadt kommt und allgemein just for fun ein Kaffee-Date geblieben ist.

 

Fahr nicht immer bei Sonne mit mir zum See und lass alles offen. Denn ich mache mir Hoffnungen und will eigentlich nur mit dir allein sein. Ich werfe mich in Schale, aber gerade so, dass es nicht auffällt und dennoch schaffst du es nicht, ein Kompliment zu wagen. Du lachst mit mir und bist begeistert von meinen Gedanken. Du bringst mich ins Wanken, wenn deine Hand zufällig mein Bein streift. Dennoch löst du die Spannung nicht auf, lässt mich immer wieder aufs Neue zittern. Doch anscheinend war ich neben der anderen nicht genug, das merke ich. Doch spreche ich nicht aus, was ich ahne, denn ich hoffe noch. Es würde doch alles passen mit uns, findest du das auch?

Meinst du nicht, dass es unfair ist, das Paket anzunehmen und mich anzurufen, obwohl du weißt, dass ich momentan im Funkloch stecke, um dann nur eine Nachricht zu schreiben. Und nicht mehr zu antworten. Warum lässt du mich kämpfen, Vorlesungen schwänzen, um dir nah zu sein. Hältst du mich warm für die Tage, an denen die Sonne scheint? Bitte gehe nicht mit mir ins kalte Wasser und lass mich dort erfrieren. Sag mir lieber, dass du demnächst allein schwimmen gehst.

 

Wenn du merkst, dass ich traurig bin und ich dir sage, dass ich doch gerade so einsam bin, kannst du dann bitte nicht schreiben, dass ich mich gedrückt fühlen solle, weil ich doch viel lieber tatsächlich gedrückt werden möchte. Wenn ich koche und mein Essen fantastisch ist, dann lass ein gemeinsames Kochen bei dir doch keine Wunschvorstellung sein. Bitte sag nicht, dass du mich heiraten wirst, weil ich so gut koche, obwohl du es eigentlich mit Ironie sagen wolltest und jetzt schon weißt, dass du du eben nicht in ein gemeinsames Haus ziehen würdest auf dem Land und dass ich die imaginäre Ziege doch bloß allein halten werde. Denn du wirst dein Jacket nie, nie gegen Gummistiefel tauschen. Außer für Mutti.

Bitte, mein Lieber, küss mich nicht auf die Stirn, denn das ist für mich so viel mehr als für dich - doch ich werde dich nicht bitten, das zu sein, was du mir bedeutest.

Du, denk doch nicht, dass ich nicht weiß, dass es der letzte Wein ist, wenigstens unbewusst. Denn heute bittest du mich nicht mehr, denn heute hat deine Geduld schon ein Ende, denn mehr ist nicht drin für dich, doch das sagst du nicht.

Vorerst.

 

Ich bitte dich, sei ehrlich zu mir. Verzeih, dass ich mich verlier, dass ich begehre und mich verzehre - nach dir. Denn das bedeutet mir so viel.

Ich bitte dich, versprich mir nichts, was du nicht halten kannst noch magst, denn wenn du fragst, sag ich ja, ohne in meiner Naivität zu wissen, dass da nicht mehr ist.

Beschissen ist das.

Komm, antworte mir. Lass Fragen nicht offen, schließ die Tür.

Setz dich zu mir und sprich - herzlich, weil du doch merken musst, dass ich mehr will als du. Schuft.

Wer möchte nicht wissen, warum der Kuss verwehrt wird oder zumindest, dass.

Schaffe Klarheit von Anfang an, hey, bitte sei stark. Du warst doch (m)ein Mann und ich als Frau möchte in all meinen Schwankungen doch nur eine klare Meinung.

Schau. Mich. Kurz. An.

Dein Blick sagt mir alles, doch ich schick mich nicht an, nicht doch noch eine zweite Chance zu wagen. Halte mich auf und sage lieber nein, denn gewiss ist -

ich will keine Friendzone sein.

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Kommentare: 3
  • #1

    . (Mittwoch, 14 Juni 2017 14:56)

    .

  • #2

    Elly (Mittwoch, 14 Juni 2017 15:02)

    Wirklich ein toller Post !

  • #3

    Jacky (Mittwoch, 14 Juni 2017 19:48)

    Moin,
    das ist wirklich sehr schön geschrieben. Der Stil gefällt mir sehr :)
    Eine Welt in der alle einfach mal mit offenen Karten spielen würden oder wenigstens sagen welches Spiel gerade überhaupt gespielt wird, wäre großartig und so viel einfacher.

    Liebe Grüße,
    Jacky