Ein Wochenende an der Nordseeküste

Der frühe Vogel

Am frühen Freitagmorgen startete ich mit meiner Freundin Jacqueline um 4:45 Uhr, um über das Wochenende nach St. Peter-Ording an die Nordsee zu fahren. Wir beide sind wohl im Herzen nordisch verwandt und an diesem Ort liegt uns beiden sehr viel - Kindheit, Jugend...

Wir machten um 8 Uhr erst einmal einen kleinen Abstecher in "meine" alte Gegend und begrüßten die Schafe. Danach ging es dann weiter zum eigentlichen Ziel in St. Peter-Ording, wo wir eine kleine Ferienwohnung für diese Tage bezogen. Anschließend machten wir uns auf nach St. Peter-Dorf, wo wir im "täglich" frühstückten und danach schlendern gingen. In diesem Teil vom Kurort war ich zuvor nie bewusst gewesen, umso mehr war ich begeistert von den Details und der Liebe hier. Manche Läden hätte ich glatt leer kaufen können.

Am Nachmittag wurde erst einmal der fehlende Schlaf im Strandkorb nachgeholt und die ersten Sonnenstrahlen erhascht. Die Flut war in diesen Tagen perfekt auf unserer Seite und versüßte die langen Spaziergänge (abgesehen davon braucht man sich in SPO eigentlich keine Gedanken um Ebbe und Flut machen). An einem Tag schafften wir 24.000 Schritte, das tat vielleicht gut. Am Abend wurden wir zu einem sehr sehr leckeren Essen in die "Insel" eingeladen.

Windiger Samstag und traumhafter Sonnenuntergang

Mit Kalle-Bäcker-Brötchen, ausreichend Kaffee und allerlei anderen Delikatessen starteten wir unseren Samstag. Danach ging es gleich los an den Hauptstrand ("Ording") hinüber zur Seebrücke ("Bad") - das sind etwa 45 min. Richtiges Nordseewetter erwischten wir. Wind, aufgepeitschte Wellen und trotzdem wärmende Sonne im Rücken. Ein glücklicher Moment jagte den anderen.

Zur Belohnung gab es eine Runde Strandkorb-Sonnen! Sogar im Bikini, ich hätte es ja bei dem vorherigen Wetterbericht nicht für möglich gehalten. Zum Mittagessen habe ich mir Pommes rot weiß gewünscht und sie erfolgreich ergattert. Als Nachspeise Eis - jippiie. Anschließend wieder in den Strandkorb mit Kuscheldecke, etwas dösen und lesen, dann wieder zurück zur Wohnung, wo wir durch die G20-Hamburg-Bilder aus unserer Bubble gerissen wurden. Nach der Pause und etwas Ruhe aßen wir unser Strand-Picknick zu Hause (gefüllte Champignons, Kräuterbaguette und Quark ließen sich schwer transportieren... oder die Gier war zu groß). Gegen neun machten wir uns wieder zum Strand auf und erlebten einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Last but not least

Am Sonntag war ja auch schon wieder Abreisetag. Das hieß für uns also Sachen ins Auto packen und dann zum Strand, wo uns Sonne satt erwartete. Und: ich startete einen Hechtsprung ins Meer (... sprang voll in eine Muschel-Scherbe) und klopfte mir selbst für meinen Mut auf die Schulter (laut Jacqueline gab es auch etwas Anerkennung von Touris). Das Wasser war erstaunlich warm und wir tobten uns eine viertel Stunde kräftig aus. Danach - Sonnenbad. Herrlich, sage ich Euch. Ich hoffe sehr, dass man mir die Farbe um die Nase etwas ansieht!

Zum Mittag liefen wir wieder über den Strand nach 'Bad' und aßen fein bei Gosch. Ja, ich weiß. Eigentlich ist das etwas klischeehaft und man stellt sich immer Sylt-Menschen mit Aperol im Strandkorb und Fischplatte auf dem Tisch vor - aber so ein Sommersalat mit Erdbeerbowle, Sonnenbrille im Haar und leichtem Sonnenbrand im Nacken beschert einem eben auch ein tolles Gefühl. Außerdem schmeckt es mir seit eh und je schon dort.

Ein Verdauungsspaziergang zurück wurde mit kurzem Bade-Stop abgeschlossen und dann traten wir am Nachmittag so langsam die Heimreise an, nicht ohne ins Koog Café im Wesselburener Koog einzukehren. Dieses Café liegt mir mit seinem Flair, dem selbstgebackenen Kuchen von Berit, dem frischen Kaffee und seinem übrigen Inventar wie St. Pauli - Martin einfach am Herzen. Ich glaube , es gibt niemanden, der mit mir in den letzten Jahren an der Nordsee war und den ich nicht dorthin entführt habe. Ob im Winter am lauschigen Ofen oder im Sommer im Strandkorb - es ist immer schön. Einfach, weil man den Brownie, den man sich mit seinen Freundinnen aussucht noch einmal warm gemacht bekommt, daneben eine Kugel Vanilleeis und eine Himbeere vom "verwandten" Hofladen gegenüber. Ich werde diesen Moment nie vergessen, wie wir da zu dritt auf diesem herrlichen Blumen-Sofa saßen, den Bernersennenhund streichelten und Latte Macchiato schlürften. Das gehört für mich einfach mittlerweile zu jedem Nordsee-Besuch dazu. Umso beschwingter traten wir dann endgültig die Heimreise an und kamen am späten Abend friedlich beseelt daheim an.

Fazit

Ja, es mag sein, dass St. Peter-Ording kein typischer Urlaubsort für Studierende ist. Aber ich sage nur: das Geld für so ein Wochenende ist gut investiert. Genauso wie in Büsum, Husum, Tönning, Wesselburenerkoog usw. wird man in SPO hauptsächlich Familien mit Kindern, ältere Ehepaare und Rentnergruppe antreffen. Aber wenn man sich einfach einmal darauf ein- , sein Herz mit Ebbe und Flut schlagen, das salzig verklebte Haar wehen lässt und Make-Up vergisst, dann wird man hier in wenigen Tagen herunterfahren, Sorgen vergessen und glücklich sein. Die frische Nordseeluft pustet nämlich einmal alles ordentlich durch. Bei Sonne, Wind und regnerischem Schietwedder. Sag freundlich 'Moin Moin', iss ein Matjesbrötchen und lehn dich zurück. Zieh die Schuhe aus, lass den Schlick bei Ebbe durch die Zehen quetschen und male ein Herz in den nassen Sand. Dann, ja dann ist wirklich alles gut.

Du wusstest noch nichts von meiner Nordseeliebe? Na, dann schau mal hier hinein.

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