Sie träumt von Chicago, von Chicago!

Und der Traum wurde wahr!
Und der Traum wurde wahr!

Die große Reise startet

Am (sehr) frühen Samstagmorgen startete die Fahrt nach Frankfurt (Main) zum Flughafen. Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass es mein allererster Flug werden sollte. Deswegen war ich froh, dass ich zunächst nicht allein an diesem riesigen Flughafen war. Alles war ganz unproblematisch und es ging nach Island. Durch enorme Verspätung habe ich vom Flughafen dort nicht viel gesehen, sondern bin gleich in den nächsten Flieger gesprungen. Weiter ging es dann nach Chicago und auf dem Weg flogen wir über Grönland - das war vielleicht ein Anblick.

Willow Creek

Nun, wie kam es überhaupt, dass ich nach Chicago konnte?

Ende des letzten Jahres bewarb ich mich für eine Studienreise zur Willow Creek Church nach Chicago und wurde Ende Februar sogar angenommen. Die Willow Creek Community besteht seit ungefähr 35 Jahren und fing in einem Kino unter Bill Hybels Leitung an - Theaterstücke und verschiedene, schon damals moderne Elemente wurden eingebaut. Irgendwann wurde das Kino zu klein, weil die Gemeinde stetig wuchs. Nun ja, was soll man sagen. Mittlerweile kommen jede Woche ca. 20.000 Besucher in die Willow Creek Gemeinde nach South Barrington zu den Gottesdiensten. Das ist für Theologiestudierende ziemlich interessant, da in unseren Sonntagmorgen-Gottesdiensten eben nur 5-10 Leute sitzen. Kirche ändert sich und muss sich ändern. Willow Creek kann und sollte nicht DAS Vorbild sein aber wir als zukünftige Pfarrerinnen und Pfarrer konnten da einiges an Ideen und Impulsen mitnehmen. Das ging schon am Sonntag mit dem gewaltigen Gottesdienst im Main Auditorium los.

Ab nach Down Town

Ich war zum Glück nicht die einzige aus unserer Gruppe, für die Amerika Neuland gewesen ist. Deswegen konnten wir es uns nicht nehmen lassen, schon einmal den Mietwagen zu schnappen und in die City zu fahren. Unser Hauptziel war dabei, eine berühmte Deep Dish Pizza zu essen - das wurde angesichts der 2,5 h Wartezeit allerdings nichts, denn wir hatten nur einen Parkplatz für 2 Stunden (16 Dollar und das war günstig...). Also zogen wir durch die Innenstadt und ich war begeistert von den riesigen Towern, dem Trubel, der Lautstärke, des Pulsierens. Letztendlich landeten wir in einem Cowboy Diner und ich bekam einen viel zu großen Teller mit Nachos, Guacamole, Pulled Pork, Barbecuesoße und viiiiiiel Käse. Das war für mich eigentlich viel zu scharf aber trotzdem saulecker. Mit vielen neuen Eindrücken und noch dem Jetlag im Nacken ging es dann trotzdem zeitnah zum Hotel zurück.

Lernen im Urlaub?

Ja, und wie viel ich gelernt habe! Willow Creek hat hunderte Ehrenamtliche, die sich um jegliche Bedürfnisse von Menschen kümmern. Im Promiseland werden Kinder in verschiedenen altersgerechten Gruppen dreimal die Woche mit eigenem Gottesdienst betreut. Dabei wird auf die Sicherheit der Kinder ernorm wert gelegt. Die Jugendlichen können sich im Lakeside-Auditorium und Elevator austoben. Bei den Special Friends finden Kinder und Jugendliche mit körperlichen und geistigen Einschränkungen ihren Platz und Zuwendung und werden dabei ganz bestimmt nicht unter- oder überfordert. Zudem gibt es ein riesiges Care Center. Das heißt: ein Einkaufsmarkt für Bedürftige, eine Kleiderspende, einen Auto-Reparaturdienst und ärztliche Betreuung. Daneben laufen im Hintergrund verschiedene Kleingruppen, in denen sich Menschen in verschiedensten Lagen austauschen können. Und das alles wird durch Spenden der Gemeindemitglieder, durch Fundraising und die Arbeit von Ehrenamtlichen am Laufen gehalten. Mich hat es begeistert mit welchem Engagement, Liebe und Zuneigung Menschen am Werk sind.

Bootstour auf dem Lake Michigan

Die Bootstour kann man nicht mit vielen Worten beschreiben, sie war einfach ein einmaliges Erlebnis. Man startet mitten in Down Town auf dem Fluss, wird dann auf den Lake Michigan geschleust und erlebt eine wahnsinnig schöne Skyline und einen traumhaften Sonnenuntergang (wenn das Wetter gut ist). So wehten die Haare im Wind, das Boot schaukelte im Wasser und den Ansagen des Guides lauschte fast niemand, weil allen die Spucke wegblieb. Als dann auch noch die Sonne untergegangen war und man nur noch eine Stadt mit funkelnden Lichtern sah - hm, da setzt das Herz schon einmal einen Schlag aus. Diese Stadt scheint so gewaltig wie aus dem Nichts oder aus dem Wasser hervorzuragen. Eine Stadt, die auch irgendwie nie leise ist, nie schläft. Und in ihrer Lautstärke trotzdem so sinnlich und schön ist.

Hancock-Tower und ein atemberaubener Abend

Nach der Bootstour hatte ich gedacht, dass ich das beste von der Stadt schon gesehen hatte. Haha! Vom Wasser aus vielleicht. Zwei Tage später fuhren wir jedoch noch einmal Richtung Down Town, fanden ein ausgesprochen "günstiges" Parkhaus und begannen unsere Latenight-Tour noch im Hellen auf dem Hancock-Tower. Wir wählten die günstige Variante und gingen in eine Bar, bezahlten 10 Dollar für einen Refresher und bekamen eine Wahnsinnsaussicht über die Stadt und den Lake Michigan. Die beste Aussicht hatte man übrigens von der Damentoilette aus!

Wir spazierten weiter am Wasser, die Sonne ging unter und wir schlenderten mit den ersten Anzeichen des späten Abends bei funkelnden Lichtern am Navy Pier entlang und hatten einige gute Gespräche. Rückwärts gingen wir noch durch den Millenium-Park, dem ich irgendwie nichts besonderes abgewinnen kann und erhaschten noch ein Foto von "The Bean". Ja, tatsächlich, da steht einfach eine riesige Bohne herum. Zum Abschied wurden wir mit einem kleinen Feuerwerk über dem Hafen belohnt und beseelt ging es dann spät nach Hause.

Gastbesuch im "kleinen Oxford"

Am Mittwoch fuhren wir nach Evanston zum Theological Seminary. Dort wurden wir von einem Professor und ein paar Studenten auf einem wirklich wunderschönen Campus herumgeführt und hatten anschließend ein Seminar zusammen. Sie nennen Evanston nicht ohne Spaß das "kleine Oxford". Es sieht wirklich so aus!

Global Leadership Summit

Am Donnerstag und Freitag hatten wir Studierende die Chance, am Global Leadership Summit in South Barrington bei Willow Creek teilzunehmen. Pfarrer, Pfarrerinnen, Unternehmer, Manager und Leiter aus 128 Nationen nahmen teil. Der ganze Campus war voll mit Menschen. Redner und Rednerinnen wie die Geschäftsführerin von Facebook, Sheryl Sandberg, oder der Senior Advisor von Google, Laszlo Bock, kamen zu Wort und hinterließen Eindruck. Vor allem konnte ich für meine Arbeit viel mitnehmen. Und generell war es ein Erlebnis, mit so vielen verschiedenen Menschen in Kontakt zu kommen und sich über die unterschiedlichsten Themen auszutauschen,

Mit offenen Armen, kalten Räumen und viel Plastik...

... wurden wir von den Amerikanern begrüßt. Für mich war es an manchen Stellen schon ungewohnt oder auch ein Kulturschock, wenn man generell zum Essen nur mit Plastikteller, -besteck und -bechern auskommen musste. Und an sich hatte ich nach ein paar Tagen das viele fettige Essen satt, sehnte mich nach einer frischen Gurke oder einem knackigen Apfel. Beim Einkaufen von Obst und Gemüse durfte man wirklich nicht auf den Preis schauen....

Die vielen Sommersachen blieben größtenteils im Koffer, denn auch wenn es meist um die 26°C waren, so hielten wir uns oft längere Zeit in den Gebäuden auf und die waren eher so auf 18°C heruntergekühlt.

Aber die paar negativen Eindrücke wurden durch die sehr herzliche Art der Amerikaner wett gemacht (abgesehen von den Sicherheitsleuten am Flughafen). Wir wurden zweimal zum Barbeque eingeladen und vom feinsten verköstigt. Es fehlte uns wirklich an nichts. Mit viel Liebe wurden die Tische gedeckt und dekoriert und im Hintergrund spielte jemand Saxophon. Wirklich - wie im Film. Man wollte uns die Zeit so schön wie möglich machen. Manchmal mögen die Amrikaner gekünstelt herüberkommen, aber ich habe immer eine respektvolle, liebevolle und emotionale Art erlebt, sodass ich mich nie fremd oder komisch fühlen musste.

Mein Fazit: es war eine überwältigende Woche, mit neuen Eindrücken gefüllt - aber auch mit starken Inhalten angereichert und anstregend. Die neuen Konzeptideen hängen in meinem Kopf fest und ich weiß, was ich gern probieren möchte in Gemeinde und Kirche. Vor allem ist mir bewusst geworden, wie wichtig es ist, offen zu sein für Veränderung und neue Dinge. Ich würde gern einmal wiederkommen und mir eine weitere große Stadt ansehen, denn diese pulsierenden Städte wirken so anziehend auf mich, dass ich mich nicht satt sehen könnte. Allerdings glaube ich nicht, dass ich länger dort leben könnte, dafür sind die Lebensstile dann doch zu unterschiedlich (... und meine Lieblingsorte und -menschen habe ich gern in meiner Nähe, soweit es geht).

 

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