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Punkt nach Semikolon

Das ist meine Schatzkiste. Ich habe sie in den letzten fünf Minuten entdeckt. Sie war nicht verschlossen. Sondern die ganze Zeit da. Und nun ist sie mein Schlüssel zu einem neuen Abschnitt. In letzter Zeit habe ich viel aussortiert, umstrukturiert, plane anders. Heute wollte ich einfach mehr Raum schaffen, die Karten an meinem Bett waren im Weg. Ich fing an sie zu stapeln. Mit jeder einzelnen kam ein Moment auf. Mit einer bestimmten Person, mit einem bestimmten Ort, mit besonderen Worten. Ich habe es fast vergessen, obwohl es mir täglich vor Augen war. Nun glitten zwei, drei Jahre durch meine Hände und ich sammelte auch alles andere zusammen, das irgendwo steckte oder pinnte. Jetzt sitze ich vor einem Karton voller Vergangenheit und mein Bedürfnis wird mir bewusst. Mein Bedürfnis danach, etwas zuzuklappen. Nicht abzuschließen, sondern einfach in besonderer und guter Erinnerung zu bewahren. Ich will mich neu bestimmen lassen und neue Momente füllen. Und vielleicht nächstes Jahr nach meinem Examen den Karton wieder aufklappen, wieder staunen und erinnern, wieder Herzklopfen kriegen, Wehmut, Sehnsucht... erinnern und dann neu befüllen. Ich möchte kein Semikolon mehr setzen wie letztes Jahr. Sondern einen Punkt. Einen neuen Satz texten und meine Geschichte fortschreiben. Das tut richtig gut und stärkt. Ich finde es großartig, dass wir immer wieder dieses Geschenk bekommen und Punkte setzen dürfen, neue Kapitel schreiben, neu anfangen. 


Ich bin gespannt, was passieren wird - on verra, sagt der Franzose.

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