Bin ich zu emanzipiert? Macht mich meine Freiheit unfrei?

 

Ich bin dankbar, dass ich so erzogen wurde, wie ich erzogen wurde.

Ich bin froh, dass ich unabhängig sein kann, dass ich allein sein kann.

Ich weiß, dass ich später für mich selbst sorgen kann.

Ich werde mich an die Stelle bringen, an der ich sein möchte - werde so arbeiten, dass ich es schaffe.

Ich könnte meine Kinder allein großziehen, ich könnte mich, meinen Haushalt, meinen Job und meine Familie selbst organisieren.

Aber die Frage ist, ob ich das alles möchte. Möchte ich jetzt schon davon ausgehen; möchte ich mir jetzt schon sagen, dass ich etwas allein schaffen kann? Ohne zu wissen, wie es ist, es gemeinsam zu machen?

 

Es ist vermutlich gewagt, das so zu sagen. Es ist wahrscheinlich gewagt, dass ich einen kleinen Haken an diesem hohen Gut sehe, das wir Frauen uns über Jahrzehnte erarbeitet und erkämpft haben und wohl noch lange nicht am Ende sind. Der Meinung bin ich auch, schließlich möchte ich nicht Frau "Assistentin" sein, sondern bitte Frau "Pfarrerin" und wenn sich jemand dermaßen gegen die Frauenordination ausspricht, ja, da kommt es mir tatsächlich etwas hoch.

 

Aber: ich merke immer wieder, wie verkrampft ich manchmal denke - vielleicht durch die Erziehung und das was mir auf meinem Weg von verschiedenen Seiten vermittelt wurde und was ich selbst aus Erfahrungen gelernt habe. Wie ich mich zu schnell angefeindet fühle oder in die Ecke gedrängt, voller Furcht, meiner Freiheit beraubt zu werden. Ich merke, wie sich in mir schon der Zeigefinger nach oben streckt, meine Zunge schon mahnende Worte vorformuliert, wie sich die Nackenhaare aufstellen und ich bereit für die Abwehr bin.

Obwohl die etwaige männliche Person gegenüber alles andere als etwas negatives im Sinn hatte. "Möchtest Du noch ein Glas Wein? Die Rechnung geht auch auf mich."

 

Eigentlich genieße ich den Moment. Doch das Rattern in meinem Kopf, das emanzipierte Gedenke, lässt das Genießen bröckeln. Wenn ich zu Hause bin, nervt mich das. Muss das sein?

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Wenn ich schreibe, bin ich.

Foto: Martin Nõgu
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Glückliche Momente

Glück ist manchmal ganz einfach und doch nicht offensichtlich.

Glück ist oft verborgen.

Glück passiert heute.

Oder morgen.

 

Es sind Momente, die nicht immer passen. Worte, die ich nicht fasse.

Dinge, die wir nicht hören.

Sachen, die uns erst stören.

 

Das, was wir nicht sehen, wenn wir in den Spiegel schauen. Gefühle, denen wir nicht trauen. Geschenke, die wir ignorieren. Taten, die wir nicht kapieren.

Dabei ist Glück doch manchmal ganz simpel. Wenn man es lässt.

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Liebe (voll) eingebildet

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Um - Bruch (Gastbeitrag)

Foto: Jonas Hammerbacher
Foto: Jonas Hammerbacher

 

Seit ein paar Wochen läuft meine Reihe "Umbrüche". 

Ich teilte Euch mit, dass ich glaube, dass es für jeden von uns diese Umbruchsphasen gibt - nach dem Abi, im Studium, nach dem Studium, im neuen Job. Im ersten Job überhaupt., wenn man ein Baby erwartet? Vor allem, wenn man so jung ist, scheint alles im Wandel zu sein.

Ich finde es wichtig, dass auch andere in dieser Reihe ihre Erfahrungen, Gedanken und Gefühle teilen. Für mich ist es eine große Bereicherung. Letzte Woche hat Jacqueline einen Brief mit mir und Euch geteilt.

Heute schreibt Nele etwas zu Ihrem Um -Bruch, denn sie zieht es in die Ferne...


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Wie, du studierst Theologie?

Wie alles begann...

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Umbrüche - Im Sturm stehen (Gastbeitrag)

Letzte Woche habe ich die Reihe "Umbrüche" angefangen. Ich teilte Euch mit, dass ich glaube, dass es für jeden von uns diese Umbruchsphasen gibt - nach dem Abi, im Studium, nach dem Studium, im neuen Job. Im ersten Job überhaupt. Vor allem, wenn man so jung ist, scheint alles im Wandel zu sein. Ich habe auch andere eingeladen, hier zu schreiben, wie sie sich in solchen Zeiten fühlen oder gefühlt haben. Denn für mich ist es wirklich eine Bereicherung, auch andere Geschichten zu hören. Danke Jacqueline, dass Du diesen Brief mit mir und uns teilst!

 

 

Brief an mein 18- jähriges Ich

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Umbrüche - Wenn es Zeit für Phase 2 wird

Vor über einem Jahr wurde 'Von der Kleinstadtschülerin zur Großstadtstudentin' veröffentlicht. Ich berichtete über eine Umbruchsphase - über eine Phase, in der ich erwachsen und selbstständig werden musste und mit Entscheidungen zu kämpfen hatte. Jetzt lächele ich über das Mädchen, das da vor drei Jahren am Innenstadtrring an der Ampel nervös hin und her wippte. Jetzt frage ich mich aber auch, ob das neue Argan-Nagel-Öl meine Nagelhaut wieder hinbekommt, die in letzter Zeit wegen mancher Nervosität oder auch innerer Unruhe angeknabbert wurde. Denn es ist wieder so eine Zeit gekommen, wie sie noch oft im Leben kommen wird, an der ich vor der Tür stehe. Oder an der Schwelle. Nun ist es Zeit zu klingeln. Oder zu springen. Die Frage ist nur - an welchem Schild. Oder die Frage ist - in welche Richtung?

 

Das Vordiplom ist in der Tasche. Nach einer Verschnaufpause steht fest, dass ich weiter studiere. Ja, klar. Das stand auch vor drei Jahren fest. Es stand auch fest, dass ich nach dem Vordiplom wegziehe. Und zwar dorthin, wo ich auch Examen machen will. Tja. Jetzt sitze ich hier und denke mir, dass ich vielleicht mal die Wohnung kündigen sollte. Jetzt sitze ich hier und ärgere mich, dass ich etwas nur so halbherzig angegangen bin. Gasthörerantrag ausgefüllt und abgeschickt aber huch, falsche Adresse. Sieht mir doch gar nicht ähnlich? Diese Halbherzigkeit? Ja. Weil mein Herz hier hängen geblieben ist. An Leipzig - an dieser wunderschönen Stadt. An der Fakultät, an der Theologie. An den gewohnten schrägen Vögeln. An alten Freunden. An neuen Freunden - ganz besonders an ihnen. Diese Freunde, die ich nicht missen möchte. Doch man kommt an den Punkt, an dem ganz langsam durchsickert, dass es dann doch wirklich Zeit wird. Man hat sich noch ein Semester mehr Zeit genommen, um es durchsickern zu lassen. Der Punkt wird spürbar, wenn die beste Freundin plötzlich weit weg ist. Arbeitet und Geld verdient in einer neuen Stadt. Der Punkt wird spürbar, wenn die anderen über ihre gekündigten Mietverträge sprechen.

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Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses

Ein Vers, den ich letztens gelesen habe. Ein Abriss von einem viel größeren Brief, der allgemein so wichtige Dinge enthält. Aber dieser Vers brachte mich ins Stocken und hat mich nachdenklich gemacht.

 

Liebe. Lange Zeit habe ich mich gefragt, was Liebe ist. Habe nach Definitionen gesucht, nach etwas greifbarem… und ich komme zu dem Schluss, dass ich es immer noch nicht in Worte fassen kann. Weil Liebe immer anders ist. Liebe ist ungreifbar. Liebe ist ungewiss.

 

Ich liebe meine Familie – dieses Gefühl ist einfach schon immer da und für mich selbstverständlich. Die Liebe zu meiner Familie ist für mich auf eine Art gewiss. Sie ist mit meinem Denken verbunden, immer präsent, seitdem ich lebe. Sogar mit Alwin ist das so, auch wenn manche darüber schmunzeln. Das war auch schon bei unserem letzten Hund so. Als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, da war da plötzlich ein warmes Gefühl und Liebe im Überschuss. Am liebsten hätte ich ihn aufgegessen.

 

Ich liebe meine Freunde. Diese Liebe ist mit Vertrauen verbunden, mit Verlässlichkeit. Das Wissen, dass es immer ein offenes Ohr, immer eine starke Schulter gibt. Immer jemanden, der zu den unmöglichsten Zeiten an den unmöglichsten Orten da ist. Da ist ein Band, am Anfang immer nur ein dünner Faden, später dann ein starkes Tau.

 

Und dann? Dann gibt es eben Liebe-Liebe. Da wird es schwer mit den Beschreibungen. Anziehung, Begehren, Verlangen. Intelligenz. Charme. Starke Schultern. Es ist Liebe, bei der man Gänsehaut bekommt, sich die Nackenhaare aufstellen. Man das Bedürfnis nach Nähe hat. Unendlicher Nähe. Liebe, die sich nach Treue sehnt. Es ist eine Liebe, deren Enttäuschung und Schmerz man viel besser ausdrücken kann, als die Liebe selbst. Liebe kann ungewiss sein. Liebe kann auch unehrlich sein und Liebe kann verletzen. Genau dann, wenn wir enttäuscht sind, kann es umschlagen in Neid, Eifersucht und Hass. Neid, wenn wir die Liebe begehren, die ein anderer empfängt. Eifersucht, wenn der Ge-Liebte etwas anderes liebt. Hass, wenn sich alle Emotionen ballen und ins Gegenteil umschlagen. Negative Gefühle, die Liebe hervorbringt.

 

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Gefesselte Gefühle

Der sichere Gang zum Keller, aber schon seit einem Jahr mit Ungewissheit. Ist es da? Aufschließen, hineingehen. Suchen. Umdrehen. Kurz die Augen schließen. Wieder umsehen, Dinge anfassen, um es zu realisieren. Dann - Gefühl der Leere. Augenblick des Stillstands. Gefühlsleer, sprachlos.

 

Schwere Schritte die Treppe hinauf. Öffnen der Tür. Makellos aufgeräumt. Als wäre nichts gewesen. Doch die Fläche auf den Kommoden. Ordentlich, sortiert. Ungewohntes Un-Chaos. Das schwarze Kästchen mit rotem Samt. Innehalten. Anfassen, aufmachen. Rausziehen. Blicken ins Nichts. Alles weg.

 

Mittlerweile alltäglich. Früher aufstehen, versuchen hochzufahren. Störung. Aus. An. Wiederherstellung. Akku raus. An. Wieder Unwissenheit, ob es funktioniert. Nach einer Stunde - nichts. Die Zeit rennt. Füße und schnellerer Gang. Ohne Arbeitsblatt, ohne Vorbereitung. Ärger, Wut. Aber nichts ändern können.

 

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Eintritt in die Blogosphäre

„Ich stehe hier und kann nicht anders!“ – das soll Martin Luther einmal beim Wormser Reichstag 1521 gesagt haben, als er seine Schriften verteidigte und nicht widerrufen wollte. Man hat keinerlei Beweise dafür, es wird lediglich seit Jahrhunderten so erzählt. Aber für mich wirkt es authentisch. Ein Mann, der dort steht und konsequent bleibt. Der sich und seine Gedanken bis auf den Tod verteidigt. Für die Wahrheit kämpfen will. Und der sagt: auch wenn mir da etwas im Weg steht, ich werde trotzdem weiterkämpfen.

 

Ein Vorbild für mich. Denn seit mehreren Jahren, schon seit den geliebten Deutschstunden, schrieb ich gern. Gefühlsbetont, sensibel, emotional. Gewiss nicht vergleichbar mit der Masse und Intensität und Gewaltigkeit Martin Luthers. Aber vielleicht mit ähnlicher Leidenschaft? Ich kann oft abends nicht einschlafen, weil meine Gedanken kreisen, schleifen, sich ziehen… und auch wenn es mitten in der Nacht ist, ist es dann meistens das Beste, es einfach aufzuschreiben und rauszulassen. Manchmal, da teile ich das auch gern. Da bin ich eine Tratschtante, eine Quasselstrippe, neugierig. Ich habe mich nie gescheut, das in Klausuren zu zeigen oder Texte Freunden zu senden. Ich war sehr aufgeregt, als eine liebe Freundin meine Texte auf ihrem Blog teilte. Seit mehreren Jahren habe ich den Wunsch, meine Freuden, meine Traurigkeit und meine Nachdenklichkeit oder meine Hobbies zu teilen - andere teilhaben zu lassen. Weil sie sich vielleicht wiederfinden, über neues nachdenken, mit mir ins Geschpräch kommen. Weil auch ich unheimlich gern teilhabe an den Gedanken und Interessen anderer. Nach fast drei Jahren intensiven Studiums kam die Zeit, als auch ich mir dachte: Ich stehe hier und kann nicht anders. Freie Tage wurden zur Planung und Vorbereitung genutzt, etliche Freunde involviert (Danke, ihr Lieben!!) und der Traum vom eigenen Blog umgesetzt. Jetzt bin ich hier, in der Blogosphäre und so voller Neugier, Aufregung und Erwartung, dass ich platzen könnte. Umso besser, dass es nun kein Geheimnis mehr ist und ich Euch daran teilhaben lasse. Ich werde mich über jeden einzelnen freuen, der hier vorbeischaut und sich umsieht und ein paar Zeilen liest. Und vielleicht ja sogar auch kommentiert und Teil des Ganzen wird! Auf auf!

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