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Was geht mich die Auferstehung an?!

Ein Same stirbt, fällt in die Erde - und bringt Neues hervor. 1Kor 15,35-44
Ein Same stirbt, fällt in die Erde - und bringt Neues hervor. 1Kor 15,35-44

Ein Neuanfang, ein Erwachen.

Neue Wege beschreiten und aufbrechen.

Zusammen machen und weitertragen.

Aufblühen und gedeihen.

Ich wurde das schon mehrfach gefragt. Als Theologiestudentin sollte man das schließlich wissen und eine Antwort parat haben. Gut durchdacht, natürlich.

 

"Woher willst du das denn wissen, dass der wirklich auferstanden ist. Also Jesus. Und was bringt mir das denn jetzt? Also ich meine: gut, ich weiß es jetzt halt. Aber was soll ich damit anfangen?"

 

Ich weiß nicht, wie oft andere ChristInnen das gefragt werden, ob sie darauf antworten oder schweigen. Aber ich habe es mich selbst oft gefragt, vielleicht, weil für mich Glaube nicht von Anfang an da war, weil es für mich nicht selbstverständlich und von Anfang an gegeben ist zu wissen, was Auferstehung bedeutet.

 

"Ihr sagt ja auch, dass wir dann auferstehen, wenn wir tot sind. Wie läuft das denn?"

 

Es sind Momente, in denen ich ins Schwitzen komme. Wenn ich ehrlich bin, dann sage ich, dass ich mich auch frage, wie es dann läuft. Ob es ein warmes Gefühl ist, ein strahlendes Leuchten, Kribbeln im Bauch. Dass ich manchmal sogar daran zweifle. Es sind ganz banale Fragen, die man sich stellt, wenn man nicht "in der Materie" steckt. Heute, am Ostermontag, sitze ich nun in der Sonne auf der Terrasse und frage mich, was ich antworten soll. Ich möchte nicht belehren oder lehren. Ich möchte mich selbst fragen, was Auferstehung jetzt, hier, für mich bedeutet. Ich möchte diese Gedanken teilen und wissen, wie andere es denken und fühlen.

Gewiss ist sicher, dass wir alle einmal sterben werden. Ich weiß nicht, was dann passiert und ich bezweifle, dass es irgendjemand zu 100% sagen kann. Aber: Begegnet uns das Sterben nicht jeden Tag? Gibt es nicht immer wieder in unserem Leben Momente, in denen wir etwas gehen lassen?

 

Ich habe von jemandem gelesen, der schrieb: "Ich bin wieder da!"

Nach einer langen Krankheit, von der er dachte, dass er sie nicht mehr überwinden würde, konnte er sagen, dass er wieder da ist. Nicht so wie vorher, irgendwie anders, Auch die Dinge um ihn herum hatten sich während seiner physischen und psychischen Abwesenheit verändert, sogar verbessert. Das kränkte sein sein Ego, aber schenkte auch Mut. In dieser Abwesenheit ging es nämlich weiter. Es wurde gearbeitet, entworfen, gelebt und vorangegangen. Man brauchte seine Anwesenheit nicht. Aber man wusste: Wenn wir hier weiterbauen und etwas schaffen, dann wird ihm das Mut geben und zeigen, dass das, was er uns vorher gezeigt und gelehrt hat, nicht umsonst gewesen ist. Und wir können beweisen, dass wir Verantwortung tragen können.

 

Und während ich diese Lebensgeschichte schreibe, merke ich, dass es mich an Jesus Christus erinnert. Dass wir diese "Geschichte" tagtäglich erleben (können). Es ist oft das Negative, die Gegenseite, unter der das Positive, das Neue, das Erwachen, eine kleine Auferstehung verborgen ist. Aber wir können sie erkennen.

 

Wir können nach einer Operation schätzen lernen, was Leben heißt. Wir können nach dem Tod eines geliebten Menschen das Wunder einer Geburt begreifen. Wir können nach Fehlern und Enttäuschungen erkennen, dass es eine andere Richtung gibt. Nach jedem Scheitern steht ein Neubeginn offen.

 

Es ist ein großer Schmerz etwas gehen zu lassen. Es tut weh zu hören: Ich liebe dich nicht mehr. Es scheint das Ende der Welt zu sein, wenn eine lange Beziehung endet. Aber: Liebe hört nicht auf, Liebe geht weiter. Und mit einem anderen Menschen kann man eine ganz neue, intensivere Liebe aufbauen und erleben.

 

Wenn Eltern Großeltern werden, wenn Großeltern Urgroßeltern werden - dann nehmen sie Abschied von einer Rolle, sie fühlen sich vielleicht "degradiert", alt, rücken zurück. Auch das ist schmerzhaft und es ist nicht leicht, die Kinder und Enkel gehen zu lassen; den Kindern, die nun Eltern sind, die eine neue Generation begründen, auf ihrem Weg ziehen zu lassen - auf dem man nur noch bedingt mitgeht und nicht immer Teil dessen sein kann.

 

Ich erlebe es immer wieder, dass gerade dort, wo neue Gemeindestrukturen in der Kirche ausprobiert werden, das "Sterbenlassen" eine enorme Rolle spielt. Wir können Kirche nur gestalten, wenn wir andere Dinge gehen lassen. Dann kann etwas (wieder) wachsen und gedeihen. Wir werden zum Beispiel nicht jedes Kirchengebäude in dieser Region erhalten können. Aber die Frage ist: Können Menschen ihre gewohnte Kirche im Dorf ganz derb gesagt "sterben lassen", um in einer anderen Kirche, mit neuen Menschen zu wachsen, zu gestalten, Glauben zu leben?

 

Dieses Ostern habe ich diese Dinge ganz bewusst erkannt und ich glaube, dass es helfen kann, schwere Situationen, Phasen und negative Dinge unter diesem Blickwinkel zu sehen: Jeder Tag neigt sich dem Abend zu, auf jede Nacht folgt ein Morgen. Wir können von dem Alten zehren und lernen, uns auf das Neue freuen, uns einlassen und immer wieder anfangen. Wir können erkennen, dass wir nicht nur wieder aufstehen, sondern auferstehen können. Ein toter, trockener Same fällt in die Erde - stirbt erst, bevor er etwas neues hervor bringt und wächst.

Ein Neuanfang, ein Erwachen.

Neue Wege beschreiten und aufbrechen.

Zusammen machen und weitertragen.

Aufblühen und gedeihen.