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Was gerade passiert: Dankbarkeit.

Johanna Henßler Fotografie
Johanna Henßler Fotografie

Gerade hatte ich überlegt, ob ich damit anfange, einen Jahresrückblick zu schreiben. Ich setzte mich an die Tasten und überlegte.

Nein. Die letzten Wochen ist so viel passiert, dass ich das nicht einfach nur in einer großen Zusammenfassung schreiben kann und möchte. Das hier wird auch sicher keine richtige Gedankenschleife. Ein Lifeupdate auf Neudeutsch? Ich weiß es nicht.

 

Meine Gedanken entstanden nach einem Gespräch mit einer Freundin, das uns beide sehr nachdenklich machte. Es drehte sich darum, dass wir doch so viel Gutes erfahren, dass wir doch eigentlich nur dankbar sein könnten. Aber auch wenn man sich das selbst so oft sagt, selbst wenn man die größte Disziplin hat, wird man doch nicht umhin kommen, hin und wieder etwas Zorn oder Wut gegenüber Dingen zu empfinden, die einfach ganz und gar nicht gut sind, die einfach ganz und gar nicht so laufen, wie wir es uns wünschen würden. Und ich muss sagen: Ich war vor einiger Zeit so wütend. So zornig auf Menschen, dass ich mich selbst hätte ohrfeigen können. Ich sah einfach keinen Weg, kein Ziel. Nichts war so, wie ich es mir dachte.

Wir dürfen klagen. Oh, und wie ich klagte. Ich frage mich nur, ob das Maß angemessen war. Aber darüber könnte ich wahrscheinlich eine ganz eigene Gedankenschleife schreiben. 

Nachdem ich Anfang November endlich einmal meinen Herbstblues überwinden konnte, fand ich neue Motivation durch die Aufgaben, die auf mich zukamen. Bei mir scheint es oft nur zwei Extreme zu geben: Entweder grummele ich vor mich hin im Selbstmitleid und finde keinerlei Motivation, um überhaupt irgendetwas zu tun oder ich stürze mich in die Vollen. Tja und ich fürchte, da bin ich gerade. Fürchten ist vielleicht ein zu starker Begriff. Durch wirklich sehr gute Zufälle und ein bisschen Glück habe ich zwei kleine Jobs bekommen. Könnt ihr euch vorstellen, wie sehr ich mich darüber freue?

Vor knapp 4 Jahren habe ich einmal gekellnert und mir Geld dazuverdient, aber das ist überhaupt nicht vergleichbar. Jetzt kann ich Studium und Interessen in einem verfolgen und ich finde es super. Genau deswegen bin ich auch so dankbar. Es ist so schön, diese Bestätigung zu bekommen, dass in einem Potenzial gesehen wird. Menschen vetrauen mir eine Aufgabe an, ohne zu wissen, ob ich es so umsetzen kann, wie sie sich das vorstellen. Sicher kann man sich vorstellen, wie sehr das beflügelt.

Als ich die Mails mit den Anfragen bekam bzw. angesprochen wurde und sich dann alles so gefügt hat (das war kurz nachdem ich die letzte Gedankenschleife geschrieben hatte), da dachte ich mir: Das gibt es doch gar nicht!

Genau so etwas hatte ich gebraucht. Eine neue Zündkerze, die den Motor wieder zum Laufen bringt. Und ich will ja ehrlich sein und glaube auch, dass es jedem in so einer Situation geht: Man ist schon stolz (auf sich).

Nun gut, nach der ganzen Euphorie blickte ich dem Ernst entgegen. Ich hatte Besprechungen, bei denen die Aufgaben geklärt wurden und muss zugeben, dass ich da erst einmal realisiert habe, welche Verantwortung das auch mit sich bringt. Man muss Deadlines einhalten, die Vorstellungen anderer umsetzen können und und und. Zudem sind da plötzlich Dinge, die man in seinen normalen Tagesablauf einbauen muss. Nach zwei Monaten hatte sich der Alltag eingespielt und nun musste man sich ganz neu strukturieren. Puh, es gibt zur Zeit schon ab und zu solche Momente, wo ich mich frage, ob das nicht zu viel war, ob ich mir da zu viel Arbeit aufgeladen habe? Das sind kurze Selbstzweifel, kleine Panikattacken, die sich aber schnell legen, wenn man das Problemchen, das aufkam, lösen konnte. Außerdem weiß ich, dass ich dadurch lernen kann, nicht alles mit einmal machen zu können. Oder auch Nein zu sagen.

Johanna Henßler Fotografie
Johanna Henßler Fotografie

Der nächste Motivationsschwung kam am ersten Adventswochenende, als meine Freundinnen, die gerade gefühlt in der ganzen Welt verstreut sind und die ich teilweise seit Juni nicht mehr gesehen hatte, hierher kamen. Wir hatten ein wunderschönes gemeinsames Wochenende mit ein paar Freundentränchen, Glühwein und guten Gesprächen. Ich hatte ja nicht geahnt, was sich alles anstaut, wenn man sich länger nicht sieht.

Und schließlich das vergangene Wochenende. Ich hatte etwas mehr Zeit und bin an vier Tagen so viel gelaufen, gewandert und spaziert, dass die frische und winterliche Luft einmal so richtig den Kopf durchpusten konnte. Neben mir trottete dann ganz friedlich Alwin, jagte über die Wiesen, wirbelte das Laub auf und ich hätte zufriedener nicht sein können. Wenn wir dann zurückkamen, ich einen heißen Kaffee trank und er sich die Reste seines Futters vom Maul schleckte, legte er seinen Kopf auf mich und sah mich mit diesen Augen an, die mehr sagten, als tausend Worte. So viel wie: Danke, dass es dich gibt.

Ich bin dankbar.

Dankbar für die letzten Wochen und das Gefühl, nie allein zu sein.

Dankbar für die Stunden, in denen ich lachen kann und nie mehr aufhören will.

Dankbar, dass sich alles so fügt und gibt. Als ob eine Sternschnuppe vom Himmel fiele und mir einen dringenden Wunsch erfüllt, von dem ich selbst noch nichts gewusst hatte.

Dankbar für die Menschen, die mein Zuhause bauen. Für die Liebe und Kraft.

Dankbar, dass ich unüberwindbaren Stunden letztendlich doch weiß, dass es weitergeht.

Und ja, trotzdem sind da manchmal diese Stunden, wo ich merke, dass innerlich diese Mischung aus Sehnsucht, Zorn und Ärger aufbraust, weil ich mir noch etwas wünsche. Nicht nur etwas, sondern mehr. Es ist ein Streben nach mehr, nach einer unbekannten Zukunft. Es ist die Sehnsucht nach diesem passenden Teil, das bis jetzt nie in mein Puzzle passte. Der Wunsch, dass ein Herz nicht mehr angeknackst wird, sondern gefüllt.

Streben nach einem unbekannten Ziel. Da kann man nicht rennen, rudern, kämpfen, da heißt es schlicht warten und Geduld üben.

Ich glaube, dass diese Momente, die Tage, Wochen, Stunden, für die man tiefste Dankbarkeit empfindet, die Zeit ein wenig dehnen können. Die Sehnsucht vergeht nicht, nie. Es wäre schlimm, wenn sie das täte. Dennoch kann man sie doch etwas in Zaum halten und sich selbst zeigen, dass es doch auch so geht. Sehr gut sogar.

 

Gott sei Dank, dass es immer wieder Menschen gibt, die einen auffangen, Kraft geben und den Plan haben, den man vorher selbst noch nicht gesehen hat. Dass es Momente gibt, die aus dem Nichts etwas Neues schaffen. Sei offen und lass zu, was da für dich kommen mag.

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Kommentare: 2
  • #1

    Geertje (Dienstag, 12 Dezember 2017 11:09)

    Liebe Therese,
    DANKE für diese angedachten Worte, die du ja so empfindest. Und das ist gut so. Die Balance zwischen Sehnsucht und Warten. Zwischen Tun und Geduld den eigenen Rhythmus finden, das muss, zumindest ich, immer wieder neu. Gerne hätte ich dein letztes Angebot mitzuschreiben genutzt. Es fällt mir dann schwer, das nicht zu tun. Es hat zeitlich nicht gepasst. Und das sollte man dann auch so annehmen. Denn mir fällt es auch oft schwer "Nein" zu sagen. Ich übe ;-)
    Herzliche Grüße im Advent mit einer Sternschnuppe ;-)

    https://www.wandelsinn.de/nicht-nur-vier-sterne/

    Geertje

  • #2

    Maj-Britt (Sonntag, 31 Dezember 2017 14:50)

    Huhu liebe Therese,

    gerade bin ich bei Facebook auf deinen Blog gestoßen und wollte mich hier direkt mal umschauen! Ein schöner Beitrag, denn ich bin ein groooooßer Fan von Dankbarkeit! :) Denn wir vergessen tatsächlich viel zu oft, dass es uns wahnsinnig gut geht. Meist ärgern wir uns über Kleinigkeiten und verlieren so für einige Stunden die Freude am Leben, obwohl es uns im gesamten so gut geht. Ich finde es toll, dass du dir Gedanken gemacht hast wofür du alles dankbar bist!
    Ich finde aber auch, dass Wut und Zorn nicht sein müssen, auch nicht gelegentlich. ich kenne auch die Momente, wo diese Gefühle durchkommen wollen, aber dann berichtige ich sie direkt in meinen Gedanken. Denn warum sollte ich mich über etwas ärgern, was ich sowieso nicht ändern kann? Und wenn ich es ändern kann, brauche ich mich nicht drüber zu ärgern, ganz einfach! Denn letztendlich bin ich diejenige, die dadurch den Schaden hat. Anderen ist es egal, ob ich mich ärgere oder nicht, von daher lasse ich die Dinge auf mich zu kommen, und finde stattdessen eine Lösung für Probleme!

    Liebe Grüße,
    Maj-Britt

    www.dailymaybe.de