· 

Auf ein Wiedersehen?

Ich würde gerne sagen: Hallo, ich bin wieder da und bringe frischen Wind in die Bude!

Vor kurzem wollte ich schreiben: Tschüss, das war's dann wohl!

Jetzt möchte ich weder Anfang noch Ende absolut setzen. Ich lasse erst einmal die Tür auf.

Eigentlich hatte ich gedacht, dass mein Verschwinden ganz leise passiert, dass ich so eine bin, die in dieser Beziehung "ghostet", sich immer weniger meldet, und irgendwann weg vom Fenster ist - mit dem Unterschied, so meinte ich, dass es nicht einmal jemand mitbekäme.

So täuschte ich mich und ich gebe zu, mit schlechtem Gewissen schleppte ich mich durch die letzten Wochen und Monate. Nicht, weil ich Druck verspürte, etwas leisten, liefern oder Erwartungen erfüllen zu müssen, sondern weil ich einfach schwieg und die Sache aussitzen wollte. Immer wieder klappte ich den Rechner auf, um Facebook darauf zu antworten, dass "106 Abonnenten seit einiger Zeit nichts von mir gehört haben", um dann doch trotzig wieder auf abmelden zu gehen, mit dem Gedanken, dass das Facebook überhaupt nichts angeht.

Auf Instagram sah ich die schwindenden Zahlen, meine wenigen Bilder, die fehlenden Storys und nahm fast gar nicht wahr, wie ich von "Business" zu "normal" wechselte, wie ich meine Abos löschte und bei neuen Themen hängen blieb.

Doch es war nicht nur die virtuelle Welt, Social Media, das mich an meine Verlustigkeit erinnerte und doch hin und wieder einen wunden Punkt traf. Es waren doch stille Leser und Leserinnen, welche nach langem Warten noch da waren, noch so aufmerksam, dass sie irgendwann nachfragten.

Worum es hier also eigentlich geht: Ich schwanke zwischen einem Abschiednehmen-Wollen und einer Wehmut, es nicht sein lassen zu können, zwischen der Einsicht, dass es nicht machbar ist und dem Geständnis, dass sich etwas ganz grundlegend verändert und verschoben hat.

Vor 3 Jahren startete ich mit "GedankenSchleife" und ich erinnere mich an das Kribbeln, das dieses für mich große Projekt auslöste. Ich erinnere mich an die Schmetterlinge, an die Abende vor dem PC, ans Tüfteln und daran, wie ich mit lieben Menschen zusammensaß und die mir halfen, etwas auf die Beine zu stellen, ein Herzensprojekt. Endlich, ja endlich, konnte das, was mir Tage und Nächte lang durch den Kopf schwirrte und meine Synapsen heiß laufen ließ, schwarz auf weiß für alle zugänglich sein. Und tatsächlich entwickelte sich dieser Blog, fand Zuspruch. Die Motivation tatsächlich so eine richtige Bloggerin zu werden mit allem drum und dran, mit Kleingewerbe usw., das verflüchtigte sich schnell und das war nicht mein Anspruch. Mein Gewinn war der Austausch und die Nachrichten, die mich hin und wieder erreichten. Menschen, die sich wiederfanden, überrascht wurden oder in denen Neugier geweckt wurde.

Dabei gab es so einige große Etappen, sogar Veröffentlichungen in Magazinen und ich war beinahe berauscht von diesem Anklang.

Sicher war es auch einfach ein super schönes Gefühl eine Bestätigung dafür zu bekommen, dass die eigene Stärke, tatsächlich Stärke und sogar Bereicherung ist. Dafür bin ich unendlich dankbar und sehe diese intensive Blog-Schreib-Zeit als einen Segen an und als eine wichtige und notwendige Phase in meiner persönlichen Entwicklung. Ich habe mich mit mir selbst auseinandergesetzt, mit Gefühlen und Gedanken, mit Meinungen anderer, mit Begegnungen, mit Beziehungen und Zwischenmenschlichkeit. Ich bin auf diesem Weg mutiger geworden, habe gelernt zu mir und meiner Position zu stehen, aber auch mit Kritik und Stirnrunzeln umzugehen. Ich habe ganz offen hier über meine Verletzlichkeit geredet, über meine Liebe, über meine Freude, über meine Trauer. Über meinen Glauben und meine Verbindung zu Gott, über mein Leben als Theologie-Studentin, über christliche Werte, über meine Visionen von Gemeinschaft und Kirche. Das alles, das war intensiv. Und auch ein bisschen intim.

Nun bin ich im Jetzt. Ich öffne diese Seite und sehe Bilder im Header, welche nacheinander durchlaufen. Bei manchen zucken meine Mundwinkel, bei manchen mein Herz, bei manchen eine Faust, .... Was alles passiert ist und was ich alles mit Hilfe von lieben Menschen, die mich begleiteten, ein Teil waren, aber auch wieder gegangen sind, erlebte und einfangen konnte - wie auch ich eingefangen wurde in einzigartigen Momenten. Doch ich blicke von außen darauf, fühle mich nicht mehr ganz "drin". Es ist wie eines meiner alten Tagebücher, da wo eine Diddl-Maus drauf ist oder "alles ist doof ohne dich", fest versiegelt mit einem Schloss, das man mit einer Haarnadel knacken kann. Ich nehme dieses Buch in die Hand und lese interessiert, was mich beschäftigt hat und ich kann ruhigen Gewissens dieses Buch wieder zuklappen. Vieles ist in Erinnerung, vieles jedoch auch nicht mehr relevant, nicht mehr real oder zugänglich.

Das bin alles ICH. Es macht mich aus. Aber ich kann dort nicht mehr ansetzen.

Letztes Jahr fing es schon an, dass ich nicht mehr die Zeit fand, zu schreiben oder eher: Bilder zu machen, Momente einzufangen usw. Da passierte zu viel drumherum - ich bekam tolle Jobs, lerne neue Menschen kennen, bereiste neue Länder und Regionen, der Sommer war vielleicht der bisher intensivste meines Lebens. Und wenn ich schon vom Leben spreche, dann möchte ich auch das Wesentliche auf den Punkt bringen: Im Laufe des letzten Jahres bin ich in meinem Leben angekommen, ganz und gar angekommen. Das war ein Prozess, den ich jetzt erst reflektieren kann und eine Entwicklung, die ich jetzt erst sehe. So sehe ich nicht mehr das Mädchen, das über Hochsensibilität schreibt und auch nicht die junge Frau, die sich nach 21 Uhr nicht mehr auf Leipzigs Straßen traut, da ist keine mehr, die ihrer Liebes-Sehnsucht nachhängt, sondern sie wahrnimmt und lebt. Da ist weniger Traum, sondern eher Ziel-Setzen. Und Realität bewusst leben.

Hier habe ich viel thematisiert und reflektiert, was ich "in echt" nie ausgesprochen oder angesprochen hätte. Mir ist mittlerweile klar, dass hier meine Welt war, in der ich wirklich sagen konnte, was mir durch den Kopf ging, hier traute ich mich. Jetzt frage ich mich, ob das nicht paradox gewesen ist.

Letztendlich kam ich im Oktober, November, Dezember an einem Tiefpunkt an, den so viele von Euch miterlebt haben und auch hier möchte ich noch einmal DANKE sagen, für so viel Mitgefühl, für so viel Liebe und Anteilnahme. Unser Hund Alwin ist mit jungen 7 Jahren im November gestorben. Wir hätten ihn sowieso niemals gehen lassen können, aber dass dies so plötzlich, mit so viel Leid und Schmerz passieren würde, daran hatte niemand von uns gedacht. Das war ein Punkt, der bei mir die Schotten dicht machte. Da kam dieser Liebesbrief an ihn heraus, damit setzte ich einen Punkt. Mein Herz war so k.o., meine Augen so müde und ich sah gerade da keine Zuflucht mehr, wo ich sie sonst fand: Im Schreiben. Dieser Liebesbrief - der ist für Alwin. Alwin, der sogar fester Teil des GedankenSchleife-Logos war und auch auf Facebook dadurch noch so präsent ist.

Seitdem fragte ich mich immer wieder, wenn ich hier etwas verfassen wollte: Welche Relevanz hat das überhaupt? Welches Interesse?

Alles belanglos.

 

Ich denke, dass ich diesen Punkt überwunden habe. Und dennoch gestehe ich mir ein, dass hier für mich (gerade) kein Ort mehr ist, um zu schreiben oder Kreativität zu leben.

 

Von Belang ist für mich das, was tatsächlich um mich herum geschieht. Das Einmischen in Diskussionen, das Kennenlernen von Menschen, das Arbeiten an einer Beziehung - und das Eingehen von wahrhaften und aufrichtigen Beziehungen überhaupt - das Zuhören, das Leben. Ja, Leben. Ich habe diese realen Momente so sehr schätzen gelernt, dass ich sie auch gern in meinem Herzen und in meinem Kopf behalte oder sie gleich mit den Menschen teile, die mich berühren, bewegen, herausfordern und inspirieren.

 

Um Himmels willen, keine Sorge - nie würde ich das Schreiben aufgeben. Aber wer mir und meinen Momenten nachfolgt, der weiß, dass ich das Schreiben zum Beruf machen kann und teilweise schon gemacht habe. Da sind echte Hefte mit meinen Texten, da sind Websites mit meinen Interviews, da bin sogar ich selbst im Leipziger Ahoi! Magazin Ausgabe April. Und: Ich möchte Pfarrerin werden und Halleluja! Wer hätte gedacht, dass Predigtschreiben so intensiv, nervenaufreibend, inspirierend, selbsterkennend usw. ist! Und wer den Artikel in der Ahoi! gelesen hat, der kennt auch mein Hirngespinst von einem Pastorin(nen?)-Blog. Wer dachte, meine Finger und Gedanken sind müde geworden: Nein, im Gegenteil, die laufen die ganze Zeit auf Höchstbetrieb. Doch hier kann und soll nicht mehr mein Fokus sein.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht. Jedoch nehme ich wahr, dass auch Blogs, Social Media und diese virtuelle Welt aus der Mode kommen können. Ich selbst liebe die Seiten, denen ich folge und bin froh um die kreativen Köpfe, die mich über ihre Kanäle inspirieren und zu guten Taten anstiften. Aber ich für meinen Teil sehe immer mehr den Wert von echten Seiten, gedruckten Buchstaben, gebundenen Büchern und die Sicherheit, welche sie ausstrahlen - dass ich sie in der Hand halten kann. Vielleicht, ganz vielleicht, könnte das irgendwann einmal mein neues Herzensprojekt werden: So ein richtiges Buch? So zum Anfassen?

Deswegen möchte ich nicht final Tschüss sagen, denn diese Seite hier wird noch genau 11 Monate bestehen können und wer weiß, was bis dahin geschieht - ein Reisebericht oder ein stinknormaler Tagebucheintrag über mein Bestreben hin zum plastikfreien oder nachhaltigen Leben (wow, war das gerade ein Teaser?), vielleicht auch einfach Bilder von Momenten, könnten sich ja dennoch hierher verirren. Deswegen: Auf ein Wiedersehen und Wiederlesen - in einem Buch, in einem Artikel, auf einem Bild, ich bin sicher, dass wir uns wieder begegnen.

 

Danke für diese gemeinsame Reise, danke für jedes Feedback und jeden einzelnen Kommentar, danke für die gelesenen und geteilten Worte. Ich sende Euch ganz viele gute Gedanken.

 

Alles Liebe

Therese

 

 

P.S.: Ich habe versucht, Bilder von all "meinen" Fotografen und Fotografinnen zusammenzustellen - hoffentlich ist mir das einigermaßen gelungen. Danke an Euch!

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Geertje (Donnerstag, 16 Mai 2019 08:27)

    Bis bald... ich wünsche dir eine gute Vielfältigkeit mit vielen guten Seiten und Augenblicken und Gottes Segen auf allen Wegen...

  • #2

    Roven (Montag, 15 Juli 2019 07:43)

    schöner Blog :)