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Die Ehe - auf einem Weg voller Entscheidungen und Verantwortung

Die Ehe ist ein Abschnitt des Lebens.

Sie ist ein Weg, der mal früher und mal später beginnt und meistens (hoffentlich) sehr weit und lang ist. „Bis ans Ende Eurer Tage.“ – so verspricht man es sich.

 

Ihr seid diesen Weg schon seit 50 Jahren gegangen. Das heißt, ihr seid schon länger verheiratet und lebt zusammen, als ihr allein gelebt hat.

Gehen wir doch den Eheweg noch einmal gemeinsam und sehen, dass er ein kleines Wunder ist.

 

Nun, erst einmal kann man sagen, dass der Zukünftige oder die Zukünftige nicht einfach vom Himmel fällt. Natürlich schaut man sich im heiratsfähigen Alter einmal um, sieht nach links und rechts und zwinkert auch einmal zurück. Bis man dann zueinander findet. Mal schneller, mal langsamer lernt man sich kennen und nicht immer ist sofort klar, dass dies der Mensch ist, den ich heiraten möchte. Man testet sich erst einmal aus und tastet sich aneinander heran. Schon dann gibt es einen Höhepunkt bzw. einen Wendepunkt: Man sagt einander, wie gern man sich hat. Und man trifft eine Entscheidung: Man möchte zusammen sein und kann sich vorstellen, gemeinsam zu leben, einen gemeinsamen Haushalt zu haben, eine Familie zu gründen und Kinder aufzuziehen. Und das neben all den anderen Dingen, die im Leben passieren. Kurzum: Schon ein „Ich liebe Dich.“ (Oder wie man im Jahre 1967 wohl eher sagte: Ich mag dich etwas mehr." Oder: "Willst du mit mir gehen?") ist eine Entscheidung. Mit jedem „Ich liebe Dich“ übernehme ich die Verantwortung für einen anderen Menschen mit.

 

Man könnte nun sagen, jetzt, wo man sich füreinander entschieden hat, dass das ja dann auch reicht. Bei einem Versprechen zählt schließlich vor allem, dass ich dem, dem ich etwas verspreche, gegenüber ehrlich bin und weiß, dass ich mein Versprechen halten kann. Aber: Wenn man verliebt ist und diese Entscheidung füreinander getroffen hat, dann ist man auch stolz darauf. Man möchte vor allen sagen: Ja! Man zeigt, dass man sich dafür nicht schämt, sondern dass man sich sicher ist und bereit. Und man zeigt dem Partner: Ich traue mich vor meiner Familie, vor Freunden, vor der Gemeinde und theoretisch vor der ganzen Welt. Vor vielen hundert, sogar tausend Jahren war genau das der Sinn: Die Anwesenden waren die Zeugen. Sie sind die, die euch immer wieder erinnern, dass ihr euch etwas versprochen habt.

 

Nun heiratet man. Und weil es eine Lebensentscheidung ist und so ein großes Ereignis, feiert man dies mit der ganzen Familie und lieben Bekannten und Freunden. Alle sollen teilhaben an dem Glück.

 

Mit der Ehe haben zwei Menschen zueinander gefunden. In der antiken Welt vor über tausend Jahren, da hatte man noch eine extremere Vorstellung: So schrieb Platon einmal, dass es am Anfang der Welt Kugelmenschen gegeben habe, die durch das Chaos in der Welt getrennt wurden. Nun musste jede Hälfte dieser Kugel den passenden Teil wiederfinden - das konnte schon eine ganze Lebensaufgabe sein! Dann waren die beiden Hälften wieder eins. Auch im Matthäusevangelium können wir von einer ganz ähnlichen Vorstellung lesen:

Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll er Mensch nicht scheiden! (Mt 19,5-6)

Ein Fleisch. Mathematisch würde man sagen: 1+1=1 (auch wenn Papa jetzt ganz doll den Kopf schüttelt und die Stirn runzelt).

 

Als diese Einheit geht man in den gemeinsamen Alltag. Es ist schön, nun jemanden an der Seite zu haben, der einen unterstützt, die eigenen Probleme mitlöst und mitdenkt. Der Aufgaben, die man vorher allein bewältigen musste, übernimmt. Aber gemeinsam zusammenleben will auch gelernt und geübt sein: Man kommt sich auch einmal in die Quere, stolpert übereinander oder entdeckt Seiten an dem anderen, die einem nicht so gut gefallen. Man ärgert sich über die Entscheidungen des jeweils anderen. Und nun gilt es, zu zeigen, warum man geheiratet hat. Nämlich die Stärke zu haben, auch in schwierigen Zeiten zueinander zu stehen. Man kann sich einmal streiten, aber man muss sich auch wieder verzeihen. Nicht den Zorn und Ärger die Liebe und das Glück überschatten lassen. Lasst niemals den Schatten größer sein als die Sonne!

Zürnt ihr, so sündigt nicht; laßt die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. (Epheser 4, 26)

Gehen wir den Weg weiter. Ein Fleisch werden heißt auch, dass man sich für Nachkommen entscheidet. Man möchte gemeinsam etwas von seiner Liebe, von seinem Fleisch, weitergeben. Die nächste Entscheidung auf dem Weg wird gefällt. Aus diesem einen Fleisch entstehen weitere. Mathematisch gesagt wird die Liebe multipliziert. Und auch hier übernimmt man gemeinsam eine große Verantwortung: Für ein ganzes neues Leben. Man nimmt schon mit der Entscheidung an, dass es sehr schöne und glückliche Phasen mit diesen Kindern geben wird, aber dass es auch nicht einfach wird. Hier muss das Paar wieder zusammenhalten: Sich beistehen und gemeinsam einen Weg finden, das Kind zu erziehen. Neben der Liebe, die man den Kindern weitergibt, darf man die eigene Liebe zwischen sich nicht vergessen; sich selbst nicht vernachlässigen.

 

Und mit den Kindern geht man den Weg nicht mehr zu zweit, sondern in eurem Falle zu viert. Dieser Weg ist individuell und jeder geht ihn anders. Man macht den Weg zu dem für sich richtigen Weg. Jeder macht gewiss Fehler und beide streiten sich, welche Gabelung des Wegen man am besten einschlagen sollte. Manchmal ist man blind durch die Blätter, die im Weg herumhängen. Man stolpert durch die Steine, die auf dem Weg liegen und man steht auch mal im Wasser. Mal bis zum Knöchel, mal bis zum Hals. Die Ehe zeigt in diesen Momenten ihre Stärke. Denn wo man allein fallen oder sinken würde, da gibt es nun jemanden, der einen aufrecht hält. Diese Stärke zieht man aus den Momenten, in denen man die Kinder spielen sieht, in denen man gemeinsam lachen und tanzen kann. Es sind Glück und Freude, von denen man auf dem Weg zehren kann.

 

Wenn man sich wie ihr dafür entscheidet, in einer Kirche zu heiraten und nach 50 Jahren noch einmal zu zeigen, dass man sich auch zu dieser bekennt, so sagt man auch, dass man dankbar ist für die Zeit, die man in dieser (christlichen) Ehe verbracht hat. Auch wenn man nicht aktiv seinen Glauben lebt/zeigt; auch wenn man, wie gern gesagt wird, ein passiver Christ ist, so hat man dennoch einen Zugang „zu Dem da oben“.

Das heißt, dass man auf seinem Weg Entscheidungen trifft, für die man nicht vorher eine pro und contra-Liste anlegen kann. Man deutet Zeichen, die man nicht deutlich sieht, man geht den Weg nach einem Gefühl, das man nicht in Worte fassen kann. Und oft ist man überrascht, wie sich manches wendet und dreht. Man fragt sich oft, woher man die Stärke und das Vertrauen nimmt. Dennoch ist man froh, dass man sich hat leiten lassen.

 

Glauben heißt vertrauen. Darauf vertrauen, dass zu jeder Zeit eine Hand auf meiner Schulter liegt und mich leitet.

Aber nicht selten wird auf einem langen Weg gezweifelt. Wenn einem die liebsten Menschen genommen werden. Als Paar wird um Mutter und Vater getrauert, um Geschwister. Schwere Zeiten stehen bevor. Ganz oft schwirrt im Kopf das „Warum?“ herum.

 

Es gab (und gibt...) eine weise alte Frau in meinem Leben, die mich meine ganze Kindheit und Jugend begleitet hat. Sie hieß Edith. Und durch meine Uroma Edith habe ich gelernt, dass man in schwierigen Zeiten natürlich zweifelt. Man fragt ganz deutlich, wo denn mein Gott ist. Man vergisst diese Zeiten nicht. Und sie holen einen auch immer wieder ein. Sie holen einen ein, wenn man seinen geliebten Mann vermisst, der verstorben ist. Man zweifelt, wenn man gerade dann allein ist. Aber es gibt Menschen, die kommen wieder in diese Welt und schenken einem die Kraft, um weiterzumachen. Sie sind ein Geschenk, der Antrieb, um aufzustehen. Oma Edith hat uns immer gezeigt, dass es einen Weg gibt. Und dass es sich lohnt, auf diesen zu vertrauen und weiterzumachen.

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.(Trauspruch - Ps 136,1)

Vielleicht habt ihr unbewusst als junges Paar auch deswegen den Trauspruch gewählt: „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.“

 

Seid dankbar für den Weg, den ihr schon so weit gegangen seid. Gebt die Freude, das Glück und die Güte, die ihr erfahren habt weiter und denkt auch an schlechten Tagen daran. Auch wenn die Güte Gottes nicht immer offensichtlich sein mag, so währet sie doch ewiglich und ist mit euch.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Frauke John (Dienstag, 21 November 2017 15:22)

    Liebe Therese, das ist ein toller Beitrag und deine Rede war wirklich Klasse ��

  • #2

    Jacqueline Juny (Mittwoch, 22 November 2017 18:55)

    Ich bin ganz gerührt. Wunderschön geschrieben und die Bilder... sehr, sehr schön.