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Wenn ich schreibe, bin ich.

Foto: Martin Nõgu

Ich schreibe.

Ich schreibe, weil ich lache - liebe - weine.

Ich schreibe, weil ich sage, was ich meine.

Ich schreibe, wenn ich schreie. Ohne Ton.

 

Ich rede, nenne, spreche und vergesse, was ich wollte.

Reflektiere, verarbeite, sage, bebe und reime.

 

Die Worte, die ich schreibe, geben mir Ruhe und Kraft.

Die Zeilen, die sich reihen, nehmen meine Sorgen, das, was mich plagt.

Mit jedem Punkt und Komma fange ich an zu wachsen.

Ziehe eine Pflanze groß auf dem Nährboden meiner Gedanken.

 

Ich schreibe.

Ich schreibe, weil ich lache - liebe - weine.

Ich schreibe, weil ich sage, was ich meine.

Ich schreibe, wenn ich schreie. Ohne Ton.

 

Lasse den Lärm meiner Träume schweigen

und schenke der Stille ihren Raum.

Wenn in Ruhe leise Worte wanken, während

zankende Gedanken weiterringen.

 

Ich tippe, maile, simse und texte.

Interpretiere, parallelisiere, paraphrasiere,  analysiere.

 

Fliegende Buchstaben in schnellen Texten.

Nervöse Zeichen in rasendem Fluss.

Lettern, die Bedeutung tragen

ohne offensiv zu sagen, was Sache ist.

 

Andachten in neuer Form. Predigten mit Tradition.

Mit Sinnen beschreiben: fühlen, riechen tasten.

Erzählen, was mich bewegt -

erschreckt, schockiert, in den Wahnsinn treibt und trägt.

 

Ich schreibe, um Momente zu verankern.

Zerre Realitäten fest, die nie aufhören sollen,

um dann doch mit Fantasie sehen zu wollen,

wie es nun weitergeht.

 

Ich schreibe, weil ich lache - liebe - weine.

Ich schreibe, weil ich sage, was ich meine.

Ich schreibe, wenn ich schreie. Ohne Ton.

 

Die Anaphern, Verse, Reime, Metapern

bringen in Form, was so unwirklich wirkt.

Entfachtes Glück birgt das in sich,

rauschende Hormone in Linien konkreter gemacht.

 

Reine Seiten werden voll mit Tinte.

wo Schminke, Mascara, schon einmal verläuft.

Da wird geschrieben, gekritzelt radiert und gewischt.

Knittrige Blätter - vergilbt und angefressen -

werden nie vergessen, was einmal war.

 

Ich schreibe, weil ich lache - liebe - weine.

Ich schreibe, weil ich sage, was ich meine.

Ich schreibe, wenn ich schreie. Ohne Ton.

 

Was mich sonst sprachlos macht,

bringt mich hier zum reden,

Lässt mich schwelgen, plaudern, zedern.

Wo ich schnell Humor verlier,

spiel ich mit Ironie und scherze.

Eine Sache, die mein Herz begeistert.

Tasten, die im Herztakt schlagen.

Worte, die mich weitertragen.

 

Schreiben lässt mich innehalten

nach Funken sprühenden Sekunden.

Abschalten vom hier und jetzt.

Schreiben lässt mich forttreiben

in ein Netz aus Zeichen, Linien, Punkten.

 

Wenn ich dort bin, kann ich sein und mich entfalten.

Komme heraus, lasse Worte walten.

Lasse schwingen, was vorher Haltung hatte

und bringe Herzenangelegenheiten ganz vorne an.

 

Wenn ich schreibe, könnt ich singen,

Könnte lachen, weinen, tanzen und springen.

Wenn ich schreibe, bin ich allein und in bester Gesellschaft.

Feier ich Feste mit Buchstaben, Phrasen und Namen.

 

Wenn ich schreibe, bin ich Ich.

Lasse Finger Federhalten führen.

Hände über Tastaturen gleiten.

Lauere auf den Einfall mit nassen Haaren,

diesem Buch im Schoß und starren

Augen auf dem Laptoprahmen

 

Wenn ich schreibe, bin ich Ich.

Wenn ich schreibe, bin ich still.

Wenn ich schreibe, weiß ich, was ich will.

Wenn ich schreibe, kann ich lachen - lieben - weinen.

Wenn ich schreibe, kann ich sagen, was ich meine.

 

Wenn ich schreibe, ist das die Melodie.

Meine Sinfonie, die ich ohne Noten komponiere.

Philosophiere über alles und mich, dich.

 

Wenn ich schreibe, bin ich Ich.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Geertje (Mittwoch, 23 August 2017 16:08)

    Therese, das ist so stark, so gut!! Hast du jetzt von mir oder von dir geschrieben? Ja klar, von dir! Danke, dass ich teilhaben durfte. Bis bald, July Jürgens ;-)