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Lebensvertrauen

 

Die letzten Wochen habe ich mich vieles gefragt. Ich habe mich gefragt, warum ich vor einem Jahr diesen Blog hier startete - weil eigentlich fehlt mir das nötige Knowhow und auf Instagram habe ich ja nur 445 Follower (in diesem Moment wahrscheinlich wieder 443).

 

Ich habe mich gefragt, warum ich nach dem Vordiplom in eine kleinere Stadt umgezogen bin und erwartete, dass neue Menschen und Begegnungen nach einer Woche auf mich zu rennen.

 

Ich habe mich gefragt, warum ich noch nicht ins Ausland gegangen bin für ein halbes, für ein Jahr.

 

Ich habe mich gefragt, warum ich mich selbst an manchen Stellen aufhalte. Eigentlich kann ich das doch: mutig sein.

 

Ich habe mich gefragt, warum ich gewisse Dinge beendet habe, weil es doch im Nachhinein machbar gewesen wäre und nicht alles schlecht war.

 

Ich habe mich gefragt, warum ich manchen Menschen eine Chance gab und anderen nicht, die es viel mehr zu schätzen gewusst haben.

 

Gestern ist mir eines klar geworden, als ich am Schreibtisch saß und eine Nachricht schrieb. Es kam mir einfach so in den Kopf, nachdem ich lange auf den Bildschirm starrte und mich fragte, warum um Himmels willen ich Judith Butler in meine NT-Hausarbeit einlade.

 

Weil es gut ist.

 

Die Entscheidungen, die ich bisher traf, waren gut. Es waren vielleicht nicht die richtigen Entscheidungen, das kann gut sein. Aber die andere Seite kenne ich auch nicht. Es war gut, dass ich mich entschieden habe. Es ist gut, dass ich die Dinge, die ich tat, getan habe. Vieles war nicht gut im moralischen oder ethischen Sinne. Vieles war vielleicht sinnlos, unnötig, naiv oder dumm.

 

Aber: Entscheidungen treffen heißt sich selbst zu vertrauen. Man vertraut seinem Hirn, dass es gut abwägt. Man vertraut seinem Herzen, dass es einem den Weg zeigt. Und für mich ist es auch mein Glaube, der zu mir gehört und mich stärkt. Ich kann meinem Leben vertrauen, denn es hat einen Sinn, so wie es bisher lief. Die Entscheidungen, die ich getroffen habe, waren gut, weil ich es tat. Weil ich sie nicht in die Hände von anderen gelegt habe, sondern letztendlich auf mich selbst hörte.

 

Was mir dabei ganz klar bewusst wurde: Wenn ich auf mich höre, auf mich vertraue, andere würden sagen, dem Schicksal seinen Lauf lasse und es trotzdem mit Herz und Verstand lenke, dann lasse ich eine Leichtigkeit zu.

Ich weiß nicht, wie es euch geht. Aber meistens habe ich Entscheidungen schon getroffen, bevor es mir eigentlich bewusst war. Wenn mein Herz höher schlägt, oder mein Bauch so komisch kribbelt, dann weiß ich, dass ich das eigentlich möchte. Dass ich mich dafür entscheiden will. Doch oft denke ich dann zu viel nach, suche regelrecht nach den Argumenten, die dagegen sprechen und wehre mich gegen das, was vielleicht eine schlechte Entscheidung sein könnte. Eine Freundin sagte letztens scherzhaft zu mir: Ich gratuliere dir dazu, dass du dich jetzt entschieden hast.

Ja, wirklich! Gratulation an alle, die ihren Entscheidungsweg gefunden haben, sei es mit dem Bauch- Herz- oder Kopfgefühl. Seid stolz auf euch, dass ihr euch treu seid und dem, was ihr zulasst. Denn sicher ist: Auch wenn man merkt, dass es schlecht oder falsch war, es gibt eindeutig etwas Gutes daran. Eine Lehre, die man daraus zieht zum Beispiel. Die Folgen falscher Entscheidungen können unangenehm sein, aber sie bringen mich und dich weiter. Vorwärts oder auf einen anderen Weg.

 

Ich habe mir das klar gemacht, dass ich mehr zulassen sollte, was ich mir selbst schon sage. Auf mich hören. Nicht wie gestern Abend nervös vor dem PC auf etwas warten, voller Sorge, dass es ein vernichtendes Urteil geben könnte. Ja, es kann sein, dass das Urteil vernichtend ist. Dass ich etwas komplett umschmeißen muss, nochmal neu anfangen muss. Dann würde ich fluchen und sagen "oh man, warum war ich auch so doof und habe Judith Butler gelesen!". Aber: Auch das ist gut. Es ist gut, dass ich neue Gedanken hervorbringen kann und einsehe, wenn ich auf einem Holzweg war. Die Angst davor, dass etwas nicht so klappen könnte, wie man es sich wünscht, macht schwer. Sie hält einen auf. Ich war gestern, als ich schlafen ging, fix und fertig. Nur, weil ich durchgespielt habe, was Schlechtes auf mich zukommen könnte. 

 

Heute Morgen habe ich mich entschieden, etwas zu tun. Vielleicht ist es total unvernünftig und einige würden mir davon abraten. Aber in dem Moment, als ich es beschlossen habe, da wurde mir ganz leicht ums Herz. Ich stand in der Dusche, habe vor mich hin gegrinst und dachte: Ich mach das, wird schon gut werden. Es ist die Leichtigkeit, die beschwingt und den Tag schöner macht. Ohne Zwang und Pessimismus, mit einer guten Portion Vertrauen.

 

 

 

 

Danke an J. für die unwerfenden Fotos!