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Tallinn - Estonia Traveldiary Pt.1

Aussichtsplattform Kohtuotsa vaateplatvorm
Aussichtsplattform Kohtuotsa vaateplatvorm

Eine lange, etwas komplizierte Anreise lag hinter mir und ich kam in diesem neuen, unbekannten Land an. Ich hatte zuvor Plattenbauten vor Augen, Regenwetter, Matsch und Wodka. Dass mich diese Schönheit, diese Herzensgüte und Wärme, diese Erfahrungen und Erlebnisse erwarten würden - das hätte ich mir vorher nicht träumen lassen.

Der Domberg

An meinem ersten vollen Tag fuhren wir mit einer super modernen S-Bahn in die Stadt hinein (ich war total fasziniert davon, dass es drei Sitze nebeneinander gab, aber anderes Thema). Vom Bahnhof aus kamen wir zum Šnelli tiik - Park, der sehr gepflegt angelegt war, allerdings schon in Herbststimmung. Von dort aus konnte ich den Domberg sehen, eine hohe Mauer und viele Stufen. Wir stiegen nach oben und erreichten einen ganz eigenen Teil auf diesem Berg in dessen Mitte der Dom stand. Ich war sehr beeindruckt von den schönen und gut erhaltenen Bauten. Hier sind viele Botschaften ansässig. Wir erklommen den Turm der Toomkirik und die Aussicht erinnerte mich an sonnige, italienische Küstenstädte.

Wir kamen zur Kohtuotsa vaateplatform, welche man hier sieht. Dort stand ich eine gefühlte halbe Stunde und konnte mich nicht sattsehen. Das Wetter hatte es wirklich gut mit mir gemeint und bei der klaren Sicht sah man die Ostsee und jedes einzelne Türmchen der Stadt.

Wir liefen die Treppen hinunter und kamen zu einem weiteren kleinen Parkgarten, genannt Taani kuninga aed. Ich blickte in die Augen von ein paar gruseligen Figuren, die aber fast natürlich in diesem mittelalterlich wirkenden Teil standen und dazugehörten.

Die Altstadt

Wir schlenderten weiter hinunter zur Altstadt und besuchten die Niguliste kirik ja musuem. Dort wird ein Segment des berühmten 500 Jahre alten Gemäldes "der Totentanz" von Bernt Notke ausgestellt. Doch nicht nur das kann man bestaunen: auch mittelalterliche Grabsteine und Altäre mit prächtigen Kunstwerken und eindrucksvollen Malereien können angeschaut werden. Da die Kirche Teil des estnischen Kunstmuseums ist, gibt es auch kurzzeitige Ausstellungen, wie zu dieser Zeit "fünf vergessene Gemälde", die hauptsächlich von deutschen Malern stammten. Also: diese Kirche bzw. das Museum ist einen Gang wert und auf alle Fälle nicht langweilig, sondern interessant.

Nach den vielen Eindrücken musste eine Stärkung sein. Natürlich ging es nicht einfach nur ums Sattwerden, nein. Wir kehrten zum Lunch ins hippeste Café der Altstadt ein, Kohvik Must Puudel, und bekamen in einer sehr originellen, gemütlichen Atmosphäre ein sehr leckeres Essen. Für mich gab es einen Salat mit Gartenkräutern, Cranberrys, Avocado, verschiedenen Kernen, Samen und Garnelen.

I love it.

Danach gingen wir zum estnischen Liberty Square, wo derzeit alte und neue Bilder aus St. Petersburg ausgestellt werden. Bei einem Gang die Treppen hinauf zur Wiese fiel ich fast herunter, weil Madame Bloggerin Storys filmte, aber die eigenen Füße nicht im Blick hatte (so viel Ehrlichkeit muss an dieser Stelle sein). Amüsant war der sogenannte "Tanz der Füchse" auf dem Platz. Das ist eine Tradition, bei der die Mentoren (etwa 11. Klasse) ihre Schützlinge aus der unteren Jahrgangsstufe machen lassen, was ihnen in den Sinn kommt. So tanzten die "Füchse" beschämt mit ziemlich witzigen Kostümen umher. Also: wenn ihr Scharen von jungen Menschen in lila bauchfreien Tops in Estland einmal seht - das gehört dazu. Da wir noch Zeit bis zur Abendveranstaltung hatten, wurde Minigolf gespielt im City Jungle (und ich gewann sogar :-) ). Am Abend gingen wir zum Renard Coffee Shop und ich lernte nach einem Film und einer Verkostung, was eigentlich tatsächlich guter Kaffee ist, Und ich sage euch: es schmeckt komisch, ungewohnt und dann sehr lecker. In Estland scheint dieser Trend auf dem Vormarsch zu sein - ich jedenfalls habe vorher noch nicht gesehen, mit welcher ausgefeilten und hingebungsvollen Technik Kaffee gemacht wird. Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich das als "Mädchen" einmal sagen würde, aber es ist schon cool in einer Umgebung mit schicken Custom Bikes zu sitzen und durch die gläserne Wand beim Schrauben und Werkeln zuzusehen.

Marktplatz und Rathausplatz

Am nächsten Tag wollte ich noch mehr von der Altstadt sehen. Wir begannen dort, wo auch das alte Stadttor war - an den Viru Väravad. Von dort gingen wir weiter in die Altstadt hinein und ich war so fasziniert von den kleinen Gässchen, den gepflasterten Straßen und überall waren kuschelige Cafés, Läden mit handgemachter Schokolade, mit gestrickten Handschuhen usw. Ich verliebte mich in das Flair und den Charme dieser Straßen. Wir kamen zum Rathausplatz (Tallinna Raekoja Plats), wo noch mehr tolle Restaurants und Cafés waren und zum Marktplatz (Balti Jaama Turg). Da mich der vorige Abend so inspiriert hatte, gab es den Frühstückskaffee bei Renard, wo ich eine ganze Zeit herumlümmelte und einfach den Moment genoss.

Kajas Pizza Köök

Ich hatte ja schon einmal erwähnt, dass ich sehr gern esse und neues Essen probiere. Nun ja, ich weiß, dass Pizza jetzt nicht super neu für uns alle ist. Aber: Allein die Pizza aus Kajas Köök wäre für mich eine Reise nach Tallinn wert gewesen. Ich kann nicht einmal sagen, woran das liegt, das müssten euch die Pizzabäcker verraten - sie schmeckt einfach so gut. Tomatensauce, die nach Sonne und Tomaten schmeckt, Mozzarella, der im Mund weiter zerfließt und ein knuspriger Boden, der nach einem richtigen Steinofen schmeckt. Vielleicht liegt die Genialität in der Simplizität. Auch das Restaurant an sich ist nichts besonderes - man sitzt mit allen anderen Gästen an einem langen und rustikalen Holztisch und schlemmt vor sich hin. Preis? Voll in Ordnung. Zwischen 5 und 8 Euro kostet eine große Pizza. Allerdings muss man sich in Acht nehmen, denn der Laden öffnet um 11:45 mit 100 Teigfladen und die gehen im Null Komma Nichts über die Ladentheke. Das heißt: ja, es kann sein, dass um 14:00 Uhr die Schotten dicht sind. Früh genug kommen und nicht frühstücken lohnt sich.

Seaplane Harbour

Von Kajas Pizza Köök war es nicht mehr weit bis zur Ostsee bzw. bis zum Hafen. Dort werden derzeit schicke Appartments mit direktem Blick zum Meer gebaut, also falls jemand jetzt oder in Zukunft das nötige Kleingeld besitzt - das sah auf jeden Fall super aus! Am Hafen befindet sich das Eesti Meremuuseum, das man sich auf jeden Fall anschauen kann, wenn man sich für Schifffahrt und Meer interessiert. Auch für Familien mit Kindern ist das ein beliebtes Ausflugsziel. Ich bin direkt auf den super Spielplatz zugesteuert :-)

Danach gingen wir auf ein für mich sehr großes Schiff, das Suur Tõll genannt wird. Es wurde 1914 erbaut und diente als Eisbrecher. Für mich war es sehr eindrücklich, einen so großen Dampfer zu sehen. Das tolle war, dass das gesamte Schiff so hergerichtet wurde, wie es einmal gewesen ist. Man bekam also tatsächlich einen Eindruck aus einer anderen Zeit (... oder wüsstet ihr, wie ein Kapitän um 1920 dort hauste?). Sogar den Maschinenraum durfte man betreten. Ich hatte so etwas bis dato nicht gesehen. Auf dem Deck schaukelte es richtig, da es am Nachmittag zunehmend windiger wurde. Titanic konnte ich also auch einmal kurz spielen... 

Danach ging es am Strand entlang zum nächsten Ziel. Wo und was das war verrate ich euch im nächsten Artikel. Seid gespannt auf Tallinn und Tartu!

So, das war der erste Streich und der nächste folgt... bald! Na, schon Lust auf Baltikum?


*Die Bilder wurden von Martin Nõgu geknipst.

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Kommentare: 1
  • #1

    Jacque (Dienstag, 10 Oktober 2017 20:53)

    Wunderbarer Artikel. Kriegt man gleich Reisefieber �