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Wein mit Atlantikrauschen

Die Auszeit in Frankreich stand bis zuletzt immer wieder auf der Kippe, doch dann saßen wir vollgepumpt mit Adrenalin und abgehetzt im Flieger nach BORDEAUX. Tatsächlich und endlich.

Im Voraus hatten wir ein super Schnäppchen mit den Flügen gemacht, ein AirBnb gebucht und tja, da standen wir dann an einem warmen, lauen Abend am Flughafen, ich kratzte mein eingerostetes Französisch wie jedes Jahr im Frankreichurlaub wieder heraus und stammelte etwas zusammen, sodass der Taxifahrer uns wirklich zur richtigen Adresse brachte (die Taxipreise sind dort übrigens festgesetzt und nicht so wahnsinnig überteuert wie hier mancherorts...).

Ziegenkäse und Baguette

Selber kochen oder essen gehen?

Fakt war: die französische Küche sollte man sich nicht entgehen lassen und der Ansporn große Menüs in der Appartmentküche zu kochen auch nicht groß. Also gab es zum Frühstück und Abendbrot leckere Croissants, Baguette, himmlischen Käse (der Ziegenkäse hatte es uns besonders angetan!), frisches Gemüse und Obst. Und absolute Empfehlung von mir: Diesen Fjord-Joghurt, den es irgendwie nur in französischen Supermärkten zu kaufen gibt. Mit frischem Obst (Himbeeren!!!) zusammen ein Traum. Also: Schon Einkaufen ist hier ein wahres Urlaubserlebnis ;-)

Nur am ersten Abend haben wir uns ein kleines Restaurant mit einem wirklich coolen Konzept gesucht, welches fast nebenan, auch im Stadtteil Talence war. Wir haben zwar festgestellt, dass sich Lachstatar für ein schönes Foodie-Foto nicht super eignet, aber dafür umso besser schmeckt! Man konnte zwischen 5 verschiendenen Fleisch- und Fischvariationen wählen. Dazu gab es immer diese unglaublich guten Pommes und grünen Salat. Hört sich jetzt vielleicht nicht wahnsinnig spannend an - aber Leute, man schmeckt die Liebe und das Fleur de Sel. Eigentlich pappsatt musste es aber noch einen Schokokuchen nach Großmutters Art geben, Vanilleeis und Sahne. Ein wundervoller Abend!

Macarons, Cannelés und schöne Stoffe

Am nächsten Morgen nahmen wir nach ausgiebigem Frühstück und ein paar Kaffee die Tram Richtung Innenstadt und stiegen am Grand Theâtre aus. Von dort kamen wir super zu allen Lokalitäten und Einkaufsmeilen - allgemein ist alles sehr gut zu Fuß erreichbar. Nach wenigen Metern verliebte ich mich bei Berenice in einen Traum aus Baumwolle, Stickereien und Perlen. Nicht nur Essen kochen können die Franzosen, nein, Mode machen können sie auch. Am Nachmittag kam das Kleid dann als Geschenk und Souvenir an mich selbst mit. Ich bin sehr froh, dass ich mich dafür entschieden habe und werde es sicher auch bald einmal hier vorführen!

Wir schlenderten weiter in sanftem Sonnenschein, bewunderten die wunderschönen Fassaden und urigen Gebäude. Stilvoll gestaltete Schaufenster, kleine Tischchen in ruhigen Gässchen, geschwungene Geländer, Marmorböden. Selbst die Fassaden, welche eine Restaurierung gebrauchen konnten, passten sich in ein wunderschönes und stimmiges Bild.

Ein erstes Macarönchen von Baillardran (und ein Cannelé - absolute Spezialität) rundeten den Vormittag ab. Als ein kleines Hüngerchen aufkam, entdeckten wir in einer Nebenstraße das Café Piha, wo es Salatbowls, kalte Suppen, leichte Hauptspeisen und echt guten (und besonderen) Kaffee gab. Die eigene Rösterei im hinteren Teil konnte man sich auch anschauen. Für uns alle war der Cold Brew Coffee neu - sieht aus wie Rotwein mit Cola, ist aber kalter Kaffee. Man muss sich erst daran gewöhnen, aber wenn man dort so in der Sonne sitzt, Menschen beobachtet und bewundert, die Sonne einen anstrahlt und aus frischen 18 Grad gefühlte 30 werden - dann passt das schon echt gut!

Vergiss niemals, dass die Küchen schließen....

Als das kleine Hüngerchen kam, hätten wir mal besser für das große Hüngerchen essen sollen. Nach einem ordentlichen Marsch durch die ganze Stadt, einem Blick auf die Garonne, einem Besuch in der Kathedrale, vielen Eindrücken und fantastischen Läden, kam kurz nach 16 Uhr der große Appetit. Was wir vergessen hatten: Die Küchen machen zwischen 15:30 Uhr und 18 Uhr dicht, bevor am Abend der große Ansturm kommt und jeder normale Mensch ordentlich Mittag gegessen hatte. Auf der Suche nach herzhaftem Essen (Kuchen und Kaffee gab es natürlich überall) ging bei drei Frauen der Stimmungspegel leicht nach unten (sollte man nicht unterschätzen - Bordeaux hat bei jedem Schritt gewackelt!). Die Rettung kam im Café des Arts mit einem Burger, Pommes und Käseplatte - und Wein! Innerhalb weniger Minuten waren alle zufrieden. Im Supermarkt bestaunten wir das Weinregal, das den Raum von einem kleinen eigenen Supermarkt einnahm, packten uns für daheim noch Antipasti ein und dann traten wir auch langsam den Heimweg an.

Eine Fahrt nach Arcachon

Mit dem Zug ging es vom Bahnhof Pessac 45 min nach Arcachon, einem Ort direkt am Atlantik. Alles sah gleich ganz anders - so richtig nach Küstenstadt aus. Mit Palmenarten und Sand und einer leichten Brise...

Da es zunächst leicht bewölkt war und wir nicht den Fehler vom Vortag wiederholen wollten, folgten wir am Strand entlang einem Insidertip und landeten in Au Pique Assiette. Für 19 Euro gab es ein super 3-Gänge-Menü, von dem ich noch das ganze nächste Jahr schwärmen werde. Es war nicht nur das Essen. Es ist das gesamte Flair, welches das Erlebnis ausmacht. Die leicht abgeblätterte blaue Farbe vom Haus nebenan, das Terrassenfeeling, die küssende Sonne, das Rauschen des Meeres, die zufriedenen Stimmen der Franzosen hinter uns, das Klirren der Gläser beim Anstoßen mit wirklich gutem Rosé. Ein gutes Gespräch. Vertrauen. Und ein kleines Zwinkern.

Wegen einer Verletzung am Bein konnte ich den Sprung ins kühle Nass nicht wagen, aber das Plätschern an meinen Füßen, der Geschmack von Salzluft und das Rauschen der Boote, eine leicht rötliche Bräune auf Armen und im Nacken, das war schon genauso gut.

Noch einmal genießen: Stöbern, Schlendern, Schlürfen

Nach dem wunderbaren letzten Tag wussten wir, dass eigentlich nicht mehr getoppt werden kann und ich finde, dass man die Tage eines Urlaubs auch nicht immer toppen muss. Ja - wir hätten noch eine Sighseeingtour machen können. Aber es ist auch wunderbar, im Schatten einer schmalen Straße zu sitzen, auf die "Glôche" zu schauen, nocheinmal Pommes zu schlemmen, Café Frappé zu trinken, an der Garonne zu schlendern, Straßenmusikern zu lauschen, fantastisches Eis in Blütenform bei Amorino mit gesalzenem Caramel-Macaron zu schlecken, ein perfektes Fondant au Chocolat zu suchen und über den seltsamen Franzosen am Nachbartisch zu schmunzeln. Ach ja - und wir waren im historischen und sehr hübschen Universitätsgebäude! Wir haben wirklich kleine Glücksomente gesammelt an diesen Tagen. Eigentlich nichts besonderes gemacht oder getan, hätten sicher noch mehr sehen oder erleben können, aber diese kleinen Momente waren es, die unser gemeinsames Erleben perfekt gemacht haben. Und jeder hatte seinen persönlichen Souvenirs - die Ohrringe, das Kleid, eine Sonnenbrille oder einfach noch ein richtig gutes Cannelé.

Merci beaucoup - ein wundervoller Urlaub!